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72 Stunden, eine Anklage: Theaterstück über Femizide

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Ensemble 72 Stunden. Eine Anklage.png

Bild: Stadttheater Bruneck

Die Zahlen sind erschreckend: Jeden dritten Tag stirbt in Italien eine Frau durch die Hand eines Mannes. Der Mörder ist zumeist der Partner, Ex-Partner, Stalker oder ein abgewiesener Bewerber. Zu häufig finden Femizide statt, als dass man noch von „Einzeltätern“ sprechen könnte. Vielmehr gibt es unübersehbar gesellschaftliche und strukturelle Gründe, die Frauen gefährden, Morde an ihnen begünstigen. Nach diesen forscht Barbara Plagg in ihrem neuen Stück  „72 Stunden: Eine Anklage”, das am 16. September im Stadttheater Bruneck Premiere feiert. Es handelt sich um eine engagierte Koproduktion zwischen den Städtetheatern Stadttheater Bruneck, Carambolage Bozen und Theater in der Altstadt Meran die Diskussion mit dem Publikum sucht. 

„Die zunehmende Thematisierung von Gewalt gegen Frauen findet auf unterschiedlichen Ebenen statt, doch gerade Theaterstücke — die durch ihre Form besonders vielfältige und komplexe Inhalte und Zusammenhänge plastisch aufzeigen könnten — fehlen in diesem Bereich noch”, so Christine Lasta, die künstlerische Leiterin des Stadttheaters Bruneck. „Dieses Thema geht uns alle an und anstatt wegzuschauen, können wir vielleicht über die kulturelle Aufbereitung Präventionsarbeit gegen die erschreckende Anzahl an Femiziden leisten. Das wäre unser größtes Ziel und eben eine Herzensangelegenheit.”

Ausgehend vom Mordopfer Eva spinnt sich im Stück von Plagg ein Netz von Fragen, Irritationen, Betroffenheit, Ausflüchten, Gewohnheiten, Ignoranz und fehlender Zivilcourage mitten durch einen kleinstädtischen Figurenreigen: Wäre dieser Femizid, der sich lange ankündigte, zu verhindern gewesen? Auch, wenn den einzelnen Institutionen und Personen keine unmittelbare Schuld zugewiesen werden kann – die Summe alltäglicher Entscheidungen und Zwänge ebneten Evas Peiniger den Weg zum Messer. Der Versuch, den verstrickten Verlauf einer Tragödie nachzuvollziehen, verstehen zu können, gipfelt im heillosen Knäuel gesellschaftlichen Versagens. Und dennoch: Ist der Blick auf das recherchierte Präventions-Chaos nicht ein Weckruf für uns? Der Countdown läuft unerbittlich!

Die Premiere des Stücks von Barbara Plagg, das alle Altersgruppen anspricht und in Schulen gezeigt wird, findet wie gesagt am 16. September 2022 im Stadttheater Bruneck statt. Es folgen Spielserien bis Ende November in den Stadttheatern in Bruneck, Bozen und Meran, jeweils 10 Abende pro Stadt. Außerdem veranstalten die Stadttheater im Anschluss an den Theaterabend Diskussionsrunden mit dem Publikum. “In Bruneck haben wir dazu Dr. Marlies Pallhuber, Psychologin und Stellenleiterin der Familienberatung Bruneck ins Boot holen können, alternierend mit Dr. Stefan Schmalholz, Psychologe und Psychotherapeut”, freut sich Christine Lasta. “Die Juristin und Mediatorin Vera Nicolussi Leck wird über den soziologischen Aspekt sprechen und Barbara Plagg führt durch den Abend.”

Mehr Infos unter stadttheater.eu

Titel & Urheber des Bildes: 
Stadttheater Bruneck
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