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Und mit einem Schlag war es ganz still geworden. Stiller als der Moment, bevor man jemanden das erste Mal küsste. Stiller als ein Sonnenaufgang über den Feldern der Kindheit. Stiller als das Warten auf schlechte Nachrichten. Stiller als unter Wasser. Es war die Art von Stille, die man überall anders vermutete, aber niemals im eigenen Leben.
S. 231Drei Meter dreißig – so hoch sind die Wände der Wiener Altbauwohnung, in der Klara und Balázs ihr gemeinsames Leben beginnen. Zwischen knarrendem Parkett und offenen Flügeltüren entsteht ein Zuhause voller gemeinsamer Momente, Hoffnungen und Liebe. Doch eines Nachts bricht diese fragile Welt abrupt zusammen: Balázs liegt reglos im Bett. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt – und mit ihm das Ringen um Fassung, Halt und Verständnis. Tick Tack …
All die großen Gefühle gibt es nur, weil wir nicht wissen, wie oft oder wie lange wir sie fühlen können oder müssen.
S. 215Kann man dem Leben entkommen? Was bleibt von einer Liebe, wenn ein Leben endet? Gibt es noch ein Wir? Wer ist man, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Und wenn alles entgleitet – kann man die Zeit anhalten? Oder läuft sie unaufhörlich weiter? Tick Tack … Tick Tack … In ihrem Debütroman „DREIMETERDREISSIG“ stellt Jaqueline Scheiber diese existenziellen Fragen des Lebens. Der Roman kreist um Verlust, Trauer und die Hilflosigkeit angesichts eines plötzlichen Einschnitts und der Unfähigkeit, sich damit zu konfrontieren. Mit großer Sensibilität beleuchtet Scheiber das Ringen mit der Realität – das Begreifen und gleichzeitige Nicht-Begreifen, wenn das Leben unwiderruflich aus den Fugen gerät. Während die Welt sich weiter dreht, tickt die Zeit unaufhaltsam, doch für Klara scheint sie stillzustehen. Erinnerungen, Gegenstände und Momente werden zu Ankern in einem Meer aus Schmerz. Es geht um Liebe, Identität, Heimat, Vergänglichkeit – und die Frage, wie man weiterlebt, wenn alles, was man hatte, nur mehr in Rückblenden existiert. Wer ist man ohne den Menschen, mit dem man alles geteilt hat? Was bleibt, wenn Worte nicht mehr reichen? Scheiber zeigt, dass es oft die kleinen, unscheinbaren Dinge sind – eine Kaffeetasse im Spülbecken, ein vertrauter Geruch, ein letzter Blick –, die das Gewicht der Erinnerung tragen. … Tick …
Sie empfand den unaufhaltsamen Drang sich hinzulegen, einfach einzuschlafen und alles hinter sich zu lassen. Die Nacht. Die Gegenwart. Das Leben.
S. 216… Tack … „DREIMETERDREISSIG“ ist ein sprachgewaltiges, poetisches Debüt, das tief berührt. Mit eindringlichen Bildern und intensiver Sprache seziert Jaqueline Scheiber Themen wie Liebe, Verlust und die Unfähigkeit, sich der Endlichkeit zu stellen. Der Roman fängt die fragile Schönheit des Moments ein und zeigt, wie nah Liebe und Schmerz beieinanderliegen. Wie ein Verlust die Zeit verzerrt, aber nicht zum Stillstand bringt. Dieses Kammerspiel zwischen vier Wänden ist intensiv, schmerzhaft und zugleich wunderschön. Der Roman schafft es, den alltäglichen Raum einer Altbauwohnung in ein Symbol für die Begrenztheit und gleichzeitig für die Unendlichkeit menschlicher Erfahrungen zu verwandeln. Die stets tickende Uhr erinnert dabei unbarmherzig daran, dass die Zeit, egal wie sehr man sie festhalten möchte, immer weiterläuft ... Tick … Ein feinfühliger Roman, der erdet und zugleich schweben lässt … Tack … Ein literarisches und unvergessliches Highlight, das tief bewegt und das Herz zerreißt. … Tick Tack…
Erwähnt werden muss auch, was das Buch optisch für ein Knaller ist. I mean: Cover und Farbschnitt!
„DREIMETERDREISSIG“ von Jaqueline Scheiber ist im Leykam Verlag erschienen.
Mehr feministische Lesetipps unserer Buchbloggerin Carmen Waldthaler
gibt es auf ihrem Instagram-Channel c_booksblog! #frauenlesen
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