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Impulsiver Patriot

SVP-Landtagskandidat Hans-Christian Oberarzbacher will bis sechs Uhr morgens feiern dürfen, traut keinem Italiener und hält die Autonomie für ein Vorzeigemodell.

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Bild: Oliver Kainz
Hans-Christian Oberarzbacher will in den Landtag. Dabei ist er für viele in Südtirol noch ein unbeschriebenes Blatt. Grund genug, um den SVP-Kandidaten bei einem Espresso im Stadtcafe auf dem Bozner Waltherplatz etwas näher kennenzulernen. Der 28-Jährige ist in Sand in Taufers aufgewachsen und arbeitet in einem Reisebüro im Ahrntal. Bei den JG-Basiswahlen landete er mit 29 Prozent der Stimmen hinter Philipp Achammer überraschend auf dem zweiten Platz. Oberarzbacher sagt Sätze wie: „Ich sage, was ich denke, und das ohne Rücksicht auf Verluste.“ Tatsächlich lässt er im Gespräch mit patriotischen Statements und impulsiven Vorschlägen aufhorchen.
 
Ist die Junge Generation der SVP ein Sammelbecken für Karrieristen?
Bei dieser Frage kann ich nur schmunzeln. Jeder, der sich einer Wahl stellt, will irgendwie Karriere machen. Das ist bei der SVP nicht anders als bei einer anderen Partei. Ich muss aber ganz klar sagen: Es ist einfacher in der Privatwirtschaft Karriere zu machen. Dort muss man sich nicht ständig einer Wahl stellen oder die Bevölkerung von den eigenen Vorhaben überzeugen wie in der Politik. 
 
Im Vergleich zu anderen Jugendorganisationen eckt die Junge Generation wenig an. Ist die JG zu brav?
Die anderen Jugendorganisationen „schreien" gerne und damit erregt man mehr Aufmerksamkeit als mit konstruktiven Vorschlägen. Es kann schon sein, dass wir in der Öffentlichkeit als zu brav wahrgenommen werden. Viel wichtiger ist aber, dass wir mit Hilfe der SVP-Mandatare konkrete Maßnahmen umgesetzt haben. Als junger Kandidat hat man es generell schwer in der Politik, weil man nicht so ernst genommen wird wie ein alteingesessener Politiker. Im Zuge der Erneuerung hört die SVP aber verstärkt auf die Forderungen der Jugend. 
 
Für welche Themen würdest du dich im Landtag einsetzen?
Unsere Jugendkultur ist vom Aussterben bedroht. Das liegt vielfach daran, dass die Einschränkungen für Festbetreiber und die Auflagen für Lokaleröffnungen einfach zu hoch sind. Ich setze mich dafür ein, dass es möglich wird, bis um sechs Uhr morgens zu feiern. Im Großen und Ganzen ist das Nachtleben sicher, aber Gewalttäter sind bis ans Äußerste zu bekämpfen. Der Sicherheitsgipfel war hier ein wichtiger Schritt. Außerdem gilt es, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. 
 
Wie würdest du dich selbst beschreiben? 
Ich würde mich selbst als Patriot bezeichnen. Patriotismus bedeutet für mich Heimatliebe. Ich bin ein stolzer Südtiroler, weil es kein schöneres und besseres Land auf der Welt gibt als das unsere. 
 
Ziehen wir Bilanz über die letzten fünf Jahre SVP-Regierung: Warum sollen die Menschen ihr Kreuzchen beim Edelweiss machen?
Die letzten fünf Jahre der Volkspartei waren nicht gut. Aufgrund der vergangenen Leistungen muss man nicht die SVP wählen. Meiner Meinung nach sollten die Leute die SVP aufgrund des erneuerten Teams wählen, das in Zukunft eine gute Politik machen wird.
 
Durnwalder fällt als Zugpferd mit seinen 97.000 Vorzugsstimmen weg, der SEL-Skandal ist bei vielen Bürgern noch im Hinterkopf. Kurzum: Es spricht vieles dafür, dass die SVP die absolute Mehrheit verlieren wird. 
Ich glaube, dass wir die absolute Mehrheit der Sitze nicht verlieren werden. Unser Zugpferd Arno Kompatscher wird für uns viele Vorzugs- und Listenstimmen gewinnen. Die Verantwortlichen des SEL-Skandals wurden ausgetauscht. Dadurch können die Leute der Partei den SEL-Skandal leichter verzeihen. Die Stimmung in der Bevölkerung ist wieder Pro-SVP.
 
Sollte die SVP die absolute Mehrheit dennoch verlieren: Mit welcher Partei sollte man eine Koalition bilden?
Ich bin sicherlich nicht in der Position, einen möglichen Koalitionspartner auszuwählen. Aber bevor ich mir Ulli Mair als Landesrätin vorstelle, ist mir Hans Heiss als Kulturlandesrat lieber. Die Grünen sind ein möglicher Koalitionspartner. Es wäre aber sehr schlecht für unser Land, wenn die SVP die absolute Mehrheit verlieren würde, denn Koalitionsregierungen bedeuten häufig Stillstand.
 
Eine Koalitionsregierung bedeutet aber auch mehr Machtkontrolle. 
Da kann ich nur schwer widersprechen. Aber wenn eine zusätzliche Partei in der Regierung ist, dann fehlt sie in der Opposition, um der Regierung auf die Finger zu schauen.
 
Die SVP gilt als Autonomiepartei schlechthin. Aber das Verfassungsgericht erklärt Landesgesetze immer wieder für ungültig. Hat die Autonomie ausgedient?
Ich stehe voll und ganz zur Autonomie. Mit der Letta-Regierung haben wir sicher die Möglichkeit, die Autonomie noch weiter auszubauen.
 
Bei Regierungen in Rom weiß man nie, ob sie morgen zusammenbrechen. 
Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber vertraue keinem Italiener! Das ist schon in der Privatwirtschaft so: Bevor die Ware nicht geliefert wurde, nutzt kein Vertrag oder Handschlag etwas. Italienischen Regierungen muss man ebenfalls kritisch gegenüberstehen. Aber welche Alternativen zur Autonomie haben wir denn? Wir haben immer noch eine Vorzeigeautonomie, von der andere Minderheiten nur träumen können. Die SVP hat sicherlich den Fehler gemacht, dass sie die Zukunftsfrage Südtirols in der Vergangenheit nur abgeblockt hat. Es ist richtig über alle Modelle zu diskutieren, aber ein Freistaat oder ein Anschluss an Österreich sind für mich utopische Träumereien. 
 
Stichwort Flughafen: Hat die SVP hier versagt?
Ja, hier hat die Südtiroler Politik versagt. Wir müssen den Bozner Flughafen so schnell wie möglich ganz schließen. Dem Durchschnittssüdtiroler nützt der Flughafen nichts und ein Linienflug von Rom bringt uns ja auch keine Touristen. Es wäre klüger, die Anbindung an den Innsbrucker Flughafen zu verbessern. 
 
Wie wahrscheinlich ist es, dass du im Oktober in den Südtiroler Landtag einziehst?
Es ist für mich eine Ehre kandidieren zu dürfen und keine Pflicht. Ich bin topmotiviert und sehe für mich eine 35-prozentige Chance in den Landtag einzuziehen. 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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ich bitte dich um eine öffentliche stellungnahme zur energiepolitik im ahrntal,ohne rücksicht auf verluste!

Liebe Erna!
Selbstverständlich werde ich mich auch noch offen über Strompolitik äußern, so wie auch über alle anderen relevanten Themen.
Wobei ich mir schon die Frage stelle, ob es überhaupt eine andere Position als jene der Bevölkerung gibt? Für mich sollte es selbstverständlich sein, dass die Stromproduktion der Allgemeinheit nützt, nicht nur einigen wenigen.

Es gibt wohl doch mehrere Meinungen, sonst hätte es nicht 3 Konzessionsansuchen vor der Begehung der Ahrstufe 4 in St Jakob gegeben und dann wäre nicht in der 30-Tage -Frist noch ein Projekt nachgereicht worden...Wichtig, dass die politischen Entscheidungsträger die Meinung der 90% vertreten und sich diese auch anhören!!!

jo gibs ba enk nix me ondos wie den sch......Strom

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