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Die Schuhplattlerinnen

Gitschen im Ålmrausch

Bei ihnen fliegen die Fetzen. 14 Frauen aus Schalders teilen ein gemeinsames Hobby: das Schuhplattlen. Wir haben sie besucht.

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Hinten v.l.n.r: Katharina Mitterer, Sandra Friedrich, Valentina Dorfmann, Marlies Larcher und Magdalena Brugger
Vorne v.l.n.r.: Angelika Brugger, Maria Heidenberger, Birgit Heidenberger, Helene Lanthaler, Peter Brugger, Manuela Lanthaler, Julia Mitterer, Christine Heidenberger, Evelyn Huebser und Edith Steinmann

Bild: Almrauschgitschn

Eine Friseurin, eine Krankenschwester, eine Tischlerin, eine Apothekerin, Sekretärinnen und Studentinnen. Die jüngste 21, die älteste 31. Man könnte meinen, die 14 Frauen aus Schalders oberhalb von Brixen hätten nicht viel gemeinsam außer dem Wohnort, doch sie alle teilen ein Hobby: das Schuhplattlen. Am Wochenende schlüpfen die Mädels in ihre schwarzen Dirndln mit roter Schürze, die ihnen bis knapp über den Hintern reichen. Sie müssten so kurz sein, sagen sie, „weil es beim Plattlen sonst nicht so gut klatschen würde“. Dann flechten sie sich Zöpfe, packen Bänke, Sense, Hammer und Wetzstein ins Auto – die Requisiten einiger Plattler – und fahren zu ihren Auftritten in ganz Südtirol und einigen Orten in Österreich.

„Ålmrauschgitschen Schalders“ steht auf dem Rücken der Dirndln – so heißt der Verein. Ihm gehören Katharina Mitterer, Evelyn Hubser, Manuela und Helene Lanthaler, Marlies Larcher, Julia Mitterer, Christine Heidenberger, Valentina Dorfmann, Edith Steinmann, Birgit und Maria Heidenberger, Sandra Friedrich und Magdalena und Angelika Brugger an. Nicht zu vergessen, das einzige männliche Mitglied: Peter Brugger. Er begleitet die Frauen auf der Ziehharmonika und „hat sich mittlerweile ganz gut integriert.“ Er sei wie zu erwarten gerne mit den Mädchen unterwegs und gehöre einfach dazu. Heute treffe ich ihn und neun der Ålmrauschgitschen im Gasthaus „Messner“ neben der Kirche in Schalders.

Von Ehrgeiz, Zeitaufwand und Spaß

Die neun jungen Frauen stehen im Kreis, ihre Hände an den Dirndlträgern. Als die ersten Töne aus der Ziehharmonika erklingen, geht es los. Sie springen im Takt auf, stampfen erst mit dem linken Bein auf den Boden, dann mit dem rechten. Dann klatschen sie sich auf den Fuß, die Oberschenkel und in die Hände. Synchron. Eine pfeift laut, eine jauchzt. Dabei fliegen die Dirndln hoch und spätestens jetzt versteht auch der letzte den Sinn der langen Dirndlunterhose.

Einige Minuten dauert das Spektakel, das einfacher aussieht, als es ist. „Wir haben lange geübt, bis wir die Plattla alle einstudiert hatten“, sagen die Mädels, nachdem sie den Gekreizten vorgetanzt haben. Die wichtigste Eigenschaft, die eine Schuplattlerin mitbringen sollte, sei Taktgefühl. Es brauche aber auch viel Geduld, Ausdauer, Ehrgeiz und Disziplin, um die Plattler zu lernen. „Man ärgert sich oft“, sagt Angelika: „Man muss es wollen und awian dohinta sein.“ Sonst würde es nicht klappen. Angelikas Vater war früher selbst bei einer Schuhplattler-Gruppe und hat die Ålmrauschgitschen von Beginn an gecoacht. Der Verein ist zu einem großen Hobby der Frauen geworden und ein Ausgleich zur Arbeit. Sie investieren viel Zeit in Proben und Auftritte. Vor allem geht es ihnen aber um den Spaß, der nie zu kurz kommt. Und natürlich gibt es bei einer so großen Frauengruppe jede Menge zu erzählen und zu tratschen.

Plattlen und mitfeiern

Angefangen habe alles beim Ausgehen am Wochenende, sagen die Frauen. Zwei von ihnen waren Schuhplattlerinnen und so kam ihnen zusammen mit Peter die Idee, eine eigene Schuhplattler-Gruppe zu gründen. Das war im August 2006. Es fanden sich gleich insgesamt neun begeisterte junge Frauen, die mitmachen wollten. Das Einstudieren der ersten sechs Plattler erwies sich als sehr aufwendig. „Am Anfang gab es ganz viele Proben, bis wir das zusammenbekommen haben“, lacht Birgit. Im Dezember desselben Jahres hatten sie ihren ersten Auftritt. Anfangs noch zu neunt, später kamen weitere fünf Frauen dazu.

Heute haben die Ålmrauschgitschen 13 Plattler in ihrem Repertoire, darunter den Bankla, Amboss, Wiena oder Zillertaler. Zum Teil sind es sogenannte Grundplattler, zum Teil eigene Kompositionen. Von den anfänglichen Schwierigkeiten merkt man heute nichts mehr. Mittlerweile sind sie eine eingespielte Truppe. „Am tollsten ist der Zusammenhalt und unsere Freundschaft“, sind sich alle einig. Wenn der Verein nicht wäre, würden sie sich nicht so oft sehen. So aber proben sie einmal pro Woche zusammen und an vielen Wochenenden im Jahr sind sie gemeinsam unterwegs. Im Winter auf Bällen, im Sommer auf Festen. Dabei sind sie auch nach acht Jahren bei manchen Auftritten noch immer aufgeregt. Vor allem, wenn Leute aus ihrem Dorf zusehen würden oder Prominente, wie zuletzt etwa Landeshauptmann Kompatscher beim Südstern-Jahresevent in Tramin. „Da will man alles richtig machen“, sagt Birgit.

Obwohl die meisten Auftritte reibungslos klappen, gab es auch schon kleine Pannen. „Bei einem Tanz muss man mit der Handfläche auf den Boden schlagen“, sagt Birgit. Dabei habe sich eine der Ålmrauschgitschen an einer Glasscherbe geschnitten. Manchmal passiere es auch, dass sie hinfallen. Trotz solcher Missgeschicke kassieren sie aber immer großen Applaus. Die Ålmrauschgitschen genießen ihre Auftritte. Danach wird dann mit dem Publikum mitgefeiert. „Und das nicht zu wenig“, sagt Angelika und alle lachen. Gefeiert wird wohl auch nach dem nächsten Auftritt. Der ist für den 21. März in der Eishalle Brixen geplant.

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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