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Giorgio by Moroder

Er ist einer der ganz Großen der elektronischen Musik und des Discosounds – der Musikproduzent Giorgio Moroder. Daft Punk würdigt ihn im neuen Album.

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Bild: Offizielle Facebookseite Giorgio Moroder
Er ist zurück. Der Südtiroler Musikproduzent Hansjörg Giovanni „Giorgio“ Moroder. Er gilt als Vater der Discomusik, machte Donna Summer bekannt und gewann etliche Oscars für etliche Filmmusiken. Das französische Duo Daft Punk verewigt den 73-Jährigen jetzt auf seinem neuen Album „Random Access Memories“. In neun Minuten wird textlich und musikalisch Moroders Lebensgeschichte erzählt. 
 
„Giorgio by Moroder“ heißt der Song, in dem der Elektro-Pionier über seine Musik und den typischen Discosound spricht. Die eigene Musik von Daft Punk hält sich im Hintergrund. Nach knapp eineinhalb Minuten wird es stiller, nur eine Bassdrum hält leise den Takt. Dann: „My name is Giovanni Giorgio, but everyone calls me GIORGIO.“ Es folgt ein Rock-Crescendo mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. „Anything is possible." Ein großer Auftritt.
 
Die goldene Ära
 
In St. Ulrich in Gröden geboren und aufgewachsen, verschlug es Moroder mit knapp 20 Jahren nach Berlin, später nach München. Dort entdeckte er Anfang der 1970er-Jahre den für seine Karriere so wichtigen Moog, ein elektrisches Musikinstrument und frühere Version des Synthesizers. Damit kreierte er pulsierende Sounds und entwarf einen neuen Musikstil. Den typischen Disco-Sound eben.
 
Den prägte er mit Donna Summer wie kein anderer. 1976 kam mit „Love to Love you, baby“ für beide der große Durchbruch. 17 Minuten lang stöhnte sich die US-amerikanische Sängerin durch das Lied. Der „erotische Epos“ wurde von BBC boykottiert, schaffte es aber international fast überall in die Top Ten der Single-Charts. In seinem zweiten großen Hit mit Donna Summer, „I feel Love“, waren die elektronischen Einflüsse noch deutlicher zu hören. „Der Song hat die Dance-Musik revolutioniert“, sagt Moroder heute selbst. Im Sommer 1977 kletterte der Song auf die Spitzenposition der britischen Charts. 
 
Ein Jahr später übersiedelte der Produzent und Songwriter in die USA und komponierte den Soundtrack zum Hollywoodfilm „12 Uhr Nachts – Midnight Express“. Es war die goldene Ära. Als habe er die magische Formel entdeckt, wie Musik funktioniert, sagt er heute, rückblickend auf die damalige Zeit. Mit der Titelmusik zu „Midnight Express“ gewann Moroder seinen ersten Oscar. Zwei weitere Acadamy Awards, drei Grammys, vier Golden Globes, unzählige goldene Schallplatten und andere Auszeichnungen folgten. Moroder komponierte und produzierte über ein Dutzend Filmmusiken, unter anderem den Soundtrack für „Flashdance“, „American Gigolo“, „Topgun“, „Scarface“ und die „Unendliche Geschichte“. Er produzierte Hits für Stars wie David Bowie, Blondie, Elton John, Janet Jackson oder Freddy Mercury. Außerdem lieferte er die Musik für drei Olympische Spiele, 1984 in Los Angeles, 1988 in Seoul und 2008 in Peking, sowie für die Fußball-WM 1990 in Italien.
 
Wieder aktuell
 
Dank Daft Punk ist Moroder jetzt wieder im Gespräch. Nachdem die Zusammenarbeit mit dem französischen Duo bekannt geworden ist, stand sein Telefon nicht mehr still. Es seien Anfragen und Angebote zahlreicher Management-Firmen gekommen. Auch David Guetta finde ihn toll. „Two months ago, not one of those people was talking to me. Daft Punk has given me credibility“, sagte er in einem aktuellen Interview mit der englischsprachigen Zeitschrift „Spin“. Also komponierte er kürzlich noch einen weiteren Soundtrack – nicht ganz so oscarverdächtig wie seine früheren Hits. Und zwar den Titeltrack für „Racer“, einem neuen Spiel von Google Chrome.
 
Giorgio Moroder hat es geschafft. Sein Vermögen wird auf mehrere Hundert Millionen Euro geschätzt. 2005 wurde ihm vom damaligen italienischen Staatspräsidenten, Carlo Azeglio Ciampi, der Verdienstorden in der Klasse „Commendatore“ verliehen. Fünf Jahre später bekam er den Großen Verdienstorden des Landes Südtirol. Bis heute passt ein Moroder-Song aus den späten 1970er-Jahren hinter fast alle elektronischen Tanztracks. 
 
Ganz unumstritten war seine Musik allerdings nie. Als seelenlose Music-Machine wird sie von Kritikern oft bezeichnet. Giorgio Morder weiß zu kontern: „Ich bin Produzent, kein Politiker. Also mache ich Musik und keine Storys.“
 

Chase

Unsere Eltern haben ihn geliebt: Giorgio Moroder, der David Guetta der 1970er-Jahre. Hier das Musikvideo "Chase" des gebürtigen Grödners, der auch Hollywood erobert hat.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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