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Der Verbraucherschützer

Wer hätte am Ende des Monats nicht gerne mehr Geld in der Tasche? Walther Andreaus gibt Tipps und verrät, wie vor allem junge Leute sparen können.

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Bild: Judith Dietl

Sparen gilt als uncool und langweilig. Doch es braucht nur die richtigen Informationen und ein bisschen Zeitaufwand, damit am Ende mehr in der Geldbörse bleibt, weiß Walther Andreaus. Er ist Direktor der Verbraucherzentrale Südtirol und hat ein Buch geschrieben, in dem er zahlreiche Spartipps auflistet. Wo und wie vor allem junge Leute sparen können und wie kritisch die Südtiroler Verbraucher sind, erzählte Andreaus bei einem Kaffee im Bozner Exil.

Wie kann man sich Walther Andreaus beim Einkaufen vorstellen? Wird da verglichen, gerechnet und ganz genau auf den Preis geachtet?
Also ich bin einer, der ein Haushaltsbuch führt. Das ist ganz wichtig, weil man dadurch einen Überblick über die finanzielle Situation bekommt, und man entwickelt eine gewisse Sensibilität für die Preise. Und wenn ich einkaufen gehe, habe ich eine Einkaufsliste – natürlich kommt auch mal etwas spontan dazu – aber die Basis ist eine Einkaufsliste.

In Ihrem Buch „Turbokonsum ade. 5.000 Euro im Jahr sparen“ geben Sie Spartipps für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie. Doch wo und wie können vor allem junge Menschen sparen?
Die Jugend hat zum Beispiel die große Chance bei Bankkonten günstig abzuschneiden, weil sie ja alle onlinefähig sind. Es gibt nämlich gratis Onlinekonten, damit fallen die sonst üblichen Bankgebühren weg. Aber man sollte immer zwischen den Angeboten vergleichen. Was ich auch raten würde – weil die Jugend viel online einkauft – mit einer Prepaid-Karte zu bezahlen statt mit einer Kreditkarte. 
Ein großer Bereich sind sicherlich auch Auto und Motorrad. Beim Neukauf ist zu beachten, dass die ersten gefahrenen Meter sehr teuer sind. Denn kaum fährt man das Auto vom Hof des Autohändlers, ist es 25 Prozent weniger wert. Deswegen ist zu überlegen, ob nicht ein gebrauchtes Auto ausreicht. Ziemlich viel einsparen lässt sich auch bei der Auto- beziehungsweise Mopedversicherung. Da lohnt es sich absolut zwischen den Angeboten zu vergleichen, das geht ganz einfach über den Preventivatore Unico. Denn die Spanne bei einer Autoversicherung beispielsweise für einen 18-Jährigen, liegt zwischen knapp 400 Euro bis mehr als 2.000 Euro. Und jetzt sage ich Ihnen etwas, was kaum einer weiß: Ich kann bei jeder Versicherung in die Bonus-Malus-Klasse der Familie einsteigen. Das heißt, wenn mein Vater oder meine Mutter in der ersten, also der besten Klasse sind, lege ich der Versicherung die Bestätigung dafür vor und kann auch in dieser Klasse einsteigen.

Versicherungen sind ein gutes Stichwort, es gibt ja fast so viele wie Sand am Meer. Welche Versicherungen brauchen junge Menschen tatsächlich?
Prinzipiell kann man sagen, dass junge Leute eine private Haftpflichtversicherung haben müssen. Damit sichere ich mich ab, wenn ich jemand anderem einen Schaden zufüge. Die kostet nicht viel, mit 60 bis 80 Euro im Jahr bin ich dabei. Und was sie noch brauchen, wenn sie berufstätig werden, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn wenn ich berufsunfähig werde, bekomme ich vom öffentlichen Versicherungsinstitut zwar eine Invaliditätsrente, aber die wird nach meinen versicherten Jahren berechnet. Junge Menschen bekommen also fast nichts. Das heißt, ich sollte mich hier privat absichern. Wie viel eine solche Versicherung kostet, hängt vom jeweiligen Beruf ab. Aber diese beiden Versicherungen sollte jeder junge Mensch haben.

Ein großes Thema vor allem bei Berufseinsteigern ist auch die Altersvorsorge. Sind private Rentenfonds sinnvoll?
Bei der Altersvorsorge hängt es ein bisschen davon ab welchen Lebensstandard ich im Alter haben möchte, welchen Beruf ich habe und wie ich da versichert bin. Dann muss ich schauen, wie viel ich von dem, was ich erreichen möchte, mit den gesetzlichen Beiträgen abdecke. Wenn ich damit zufrieden bin, brauch ich nichts zu machen. Wenn ich aber merke, dass zu wenig übrig bleibt, dann muss ich überlegen, wie ich diese Lücke schließen kann: In erster Linie haben wir in Südtirol die Laborfonds, also die öffentliche Zusatzrente, und die ist bisher recht gut gefahren. Außerdem sollte man seinen Altersvorsorgebedarf etwa alle fünf Jahre neu überprüfen und eventuell anpassen. Damit am Ende das herauskommt, was man sich vorgestellt hat. Man muss wissen, dass man selbst dafür verantwortlich ist.

Was halten Sie von der privaten Rentenvorsorge?
Also ich würde schon die öffentliche beziehungsweise regionale Zusatzrente bevorzugen. Weil die Kosten dabei sehr gering sind. Bei der privaten Vorsorge gibt es die Gefahr, dass die Verwaltungskosten nicht nur die Rendite, sondern teilweise auch noch das Kapital aufzehren. Es passiert oft, dass jemand am Ende nicht einmal das rausbekommt was er eingezahlt hat. Kapitallebensversicherungen sollte man auch nicht machen, sie sind in den meisten Fällen eine schlechte Geldanlage und nichts für die Altersvorsorge. Die werden ganz „perfide“ verkauft.

Wie kritisch sind eigentlich die Südtiroler Verbraucher?
In den letzten Jahren haben sie mehr Informationen bekommen und dadurch sind sie ziemlich kritisch geworden. Sie vergleichen, rechnen nach und lesen sich Verträge genau durch. Wo ich Schwierigkeiten sehe, sind immer noch die älteren Menschen, sie haben einfach viel Vertrauen in ihr Gegenüber. Und in der heutigen Zeit könnte Vertrauen zwar gut sein, aber wenn es um das Geschäft geht ist Kontrolle einfach besser. Und da ist die Jugend durchaus kritischer.

Wie gut der Verbraucherschutz ist, hängt auch von der Politik ab, sie stellt die Regeln und Gesetze dafür auf. Wie ist die politische Unterstützung in Südtirol?
Was die Regeln am Markt betrifft ist die Zuständigkeit in Südtirol äußerst gering. Die wichtigsten Konsumentenschutzgesetze gehen von der EU aus. Wobei ich den Verbraucherschutz nicht auf die Regeln beschränken würde, denn auf dem Papier sind sie oft hervorragend. Aber der Schiedsrichter fehlt: Wir haben in Italien ein Justiz- und Aufsichtsbehördensystem, das nicht gut funktioniert.

Aber auch in diesem Fall wäre die Politik gefragt.
Ja, wäre gefragt, aber an der Reform des Justizsystems haben sich schon einige Geister geschieden.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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