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Der Politikblogger

Markus Lobis ist wohl einer der engagiertesten Blogger in Südtirol. Bloggen ist für ihn politisch und er will damit aufklären und wachrütteln.

„Wir packen`s an!" steht unter dem Bild im „Zigorimedia" Blog. Darauf abgebildet sind Michl Laimer, Hans Berger, Luis Durnwalder und Florian Mussner in orangenen Warnwesten und mit weißen Baustellenhelmen auf dem Kopf. „...und ihr könnt es dann auslöffeln", ist noch zu lesen. Das Bild steht für das, was Markus Lobis mit seinem Blog erreichen will: Die Leute informieren und aufklären. Er ist kritisch und findet, die Südtioler interessieren sich viel zu wenig für das, was im Land passiert. „Zigorimedia" ist bereits sein zweiter Blog. Vor fast drei Jahren richtete er sich den neuen Weblog ein. Davor hatte er fünf Jahre lang den „Markus Lobis Blog" , den es heute noch als Archiv gibt. Lobis bloggt vor allem über ökosoziale und gesellschaftspolitische Themen und ist bekannt dafür, den Politikern auch mal auf die Füße zu treten. Googelt man die Begriffe „Durnwalder" und „SEL", so ist sein aktueller Blog unter den ersten Ergebnissen. Auch deshalb, weil er eine Zeit lang viel über die SEL-Geschichte geschrieben habe. „Und wenn die Leute danach suchen, ist man auch weit vorne bei den Suchsystemen", sagt Lobis. 

Haben Blogs in Südtirol einen Einfluss?
Absolut! Man kann das an einem ganz konkreten Beispiel festmachen: Als in Brixen die Idee aufgetaucht ist, im Hofburggarten eine Art Eventpark zu machen. Ich hatte dann relativ schnell gute Informationen dazu und zur Geschichte des Gartens und habe einen Blog gemacht. Der wurde innerhalb von zwei Tagen von 6.000 Leuten gelesen. Das war für mich ein Blog, der sicher etwas bewegt hat. Wir haben das ganze Establishment gegen uns gehabt, aber die Bürger haben das gelesen und sich ihre Meinung gebildet. Mann kann sagen, wenn die Kampagnen laufen, dann rauscht es nur so auf den Blogs. Er ist eine fantastische Möglichkeit, die Leute zu informieren. 

Warum bloggen Sie?
Ich finde das eine ganz spannende Sache, und mich haben die neuen Medien immer schon fasziniert. Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich dadurch massiv verändert und die Bürger haben heute ganz neue Möglichkeiten sich zu beteiligen. Man kann das Ganze für allgemeines Gequassel verwenden, man kann es aber auch als Instrument für die Meinungsbildung einsetzen. Und wenn Diskussionen daraus entstehen, ist das spannend. Die Leute sind ja kaum mobilisierbar für irgendwelche Kampagnen, obwohl sie sehen und genau wissen, woran es krankt und dass alles vor die Hunde geht. Sie bewegen sich nicht hinter dem Ofen hervor, weil sie hoffen, wenn sie sich ducken geht es an ihnen vorbei. Durch meinen Blog kann ich sie vielleicht mobilisieren. Für mich hat das Bloggen also eine politische Dimension. 

Worüber bloggen Sie genau?
Ich habe von Anfang an immer ökosoziale Themen verfolgt. Ich bin ökoloigsch und links eingestellt, im Sinne von Solidarität und einer besseren Welt, wo jeder mitgenommen wird. Und in dem Sinne, habe ich in letzter Zeit immer stärker versucht eine Gegenbewegung zur schrankenlosen Finanzwirtschaft zu unterstützen. Ich versuche Artikel und Dokumente darüber zusammenzusuchen und auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ich habe mich zum Beispiel sehr intensiv mit der Verkehrspolitik beschäftigt und gegen unnütze Projekte, wie dem BBT (Brennerbasistunnel, Anm.d.Red.) eingesetzt. Wobei ich gemerkt habe, dass es den Leuten egal ist. Dass die Leute sich nicht vorstellen können, wenn 20 Milliarden in den Berg gesteckt werden. Deshalb haben wir diese Initiative eigentlich wieder aufgegeben. 

Es gelingt Ihnen also nicht wirklich, die Leute durch ihren Blog aufzurütteln?
Vor allem in Südtirol, habe ich den Eindruck, ist den Leuten alles wurscht

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihren Blog?
Ich bin im Moment nicht so aktiv wie früher. Aber es ist nach wie vor so, dass ich den Blog als Archiv benutze. Ich habe fast 1.000 Artikel auf meinem Blog. Allerdings lebt er natürlich davon, dass man etwas hineinstellt. Wenn nichts Neues im Blog steht, gehen die Besucherzahlen sofort zurück. Zur Zeit investiere ich vielleicht eine halbe Stunde pro Woche in meinen Blog. Früher war es schon mal eine halbe Stunde pro Tag. So viel Zeit möchte ich aber gar nicht mehr hineinstecken. Ich habe Familie und ich habe das Interesse an der Alltagspolitik verloren. 

Wie viele Blogs betreiben Sie?
Da muss ich schauen, das sind nämlich ganze Massen. Wobei nicht alle rein private Blogs sind, häufig ist es auch eine Mischung zwischen Blog und Homepage. Außerdem habe ich Blogs gemacht zu Initiativen, wie zum Beispiel zum Hofburggarten in Brixen, die dann wieder gelöscht wurden. Insgesamt kommen da schon mehr als 20 Blogs zusammen.

Zum Zigorimedia Blog

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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