Der Idealist

Benjamin Pixner will mit der Süd-Tiroler Freiheit in den Landtag. Ein Gespräch über Selbstbestimmung, Italiener und den fehlenden Willen Österreichs.

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Bild: Oliver Kainz
„Chefin, bringsch miar nou eppas!“ Benjamin Pixner hat sein erstes Glas schon geleert, bevor das Gespräch begonnen hat. Mit einem verschmitzten Lächeln bestellt er bei der Kellnerin noch einen Jambo-Fruchtsaft. Der 22-Jährige hat sich bereits vor dem Interviewtermin mit seinen Freunden beim vereinbarten Treffpunkt Cafè Seeber in Kastelbell getroffen. Pixner wirkt entspannt und fühlt sich in der geselligen Runde sichtlich wohl. Der gelernte Koch sitzt seit drei Jahren im Gemeinderat von Kastelbell und will im Herbst mit der Süd-Tiroler Freiheit den Sprung in den Landtag schaffen. Mit BARFUSS spricht er über seine politischen Ambitionen. 
 
Was wäre deine erste konkrete Maßnahme als Landtagsabgeordneter?
Bürokratie abbauen! Ich bin selbst Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, bei den Schützen und beim Krampus-Verein und sehe wie viel Bürokratie für ehrenamtliche Tätigkeiten anfällt. Der Landeseintrag für ehrenamtliche Vereine ist ein Beispiel für diese ausufernde Zettelwirtschaft. Das nimmt den jungen Leuten die Lust, sich in Vereinen zu engagieren und das darf doch nicht sein.
 
Gibt es noch andere Themen, die du vorantreiben willst?
Mir liegen besonders die Jugendpolitik und ein sicheres Nachtleben am Herzen. Ein weiteres Thema ist die steigende Jugendarbeitslosigkeit. Hier wurde schon ein Beschlussantrag von Sven Knoll und Eva Klotz im Landtag angenommen. Das Gesetz besagt, dass ältere Mitarbeiter, die in der öffentlichen Verwaltung kurz vor der Pension stehen, einen Teil ihrer Arbeitszeit an Jugendliche abtreten. Mit dieser Maßnahme kann die Jugendarbeitslosigkeit wirksam bekämpft werden.  
 
Wie wahrscheinlich ist es, dass du im Oktober in den Südtiroler Landtag einziehst?
Meine Chancen in den Landtag einzuziehen stehen gut, da ich bei der Süd-Tiroler Freiheit Spitzenkandidat der Jugend und des Bezirks Vinschgau bin. Ich bin überzeugt, dass unsere Partei die Zahl der Landtagsmandate steigern wird. Letztlich hängt es natürlich vom Wählerwillen ab, ob ich den Sprung in den Landtag schaffe.
 
In Südtirol wird seit mehr als 65 Jahren vom Selbstbestimmungsrecht geredet und doch wird es nie angewandt. Ist das nicht frustrierend für die Süd-Tiroler Freiheit?
Ja, es ist schon deprimierend, dass trotz jahrelangem Kampf das Selbstbestimmungsrecht noch nicht in Südtirol angewandt wurde. Es hängt allein vom Volk ab: Wenn wir Südtiroler die Selbstbestimmung nicht nachdrücklich fordern, dann werden wir sie auch nicht erhalten. Ich bin Idealist und glaube, dass sich die Idee der Selbstbestimmung durchsetzen wird.
 
Die Süd-Tiroler Freiheit will Südtirols Rückkehr nach Österreich. Doch sind Grenzverschiebungen in Zeiten der Europäischen Union noch zeitgemäß?
Grenzverschiebungen sind in Europa aktueller denn je. Kosovo hat die Unabhängigkeit erreicht, in Barcelona gehen tausende Menschen für ein eigenständiges Katalonien auf die Straße und Schottland stimmt nächstes Jahr in einem Referendum darüber ab, ob es sich vom Vereinigten Königreich abspaltet. Die Grenzen in Europa werden sich ganz klar verändern. 
 
Nehmen wir an, Südtirol ist wieder ein Teil Österreichs. Wie würde die Zweisprachigkeit in einem vereinten Tirol geregelt?
In einem vereinten Tirol müsste für die italienischsprachigen Bürger sicherlich eine Art Autonomie ausgearbeitet werden. Die Rechte, die wir Südtiroler jetzt in Italien besitzen, sollten dann auch den Italienern in Österreich gewährt werden. 
 
Es dürfte allerdings schwierig werden, jemanden in Kufstein oder Innsbruck zu überzeugen, Italienisch zu lernen.
Es gibt an Nordtirols Schulen schon Italienisch als Wahlfach und ich kenne viele Bekannte, die in Nordtirol Italienisch lernen. 
 
Die Süd-Tiroler Freiheit spricht immer wieder davon, dass sie die Zukunft unseres Landes gemeinsam mit den Italienern gestalten will. Gibt es italienischsprachige Landtagskandidaten auf eurer Liste?
Nein, es gibt keine italienischsprachigen Kandidaten, die auf unserer Liste für den Landtag antreten. Wir hätten aber kein Problem damit, wenn dies der Fall wäre. Die Süd-Tiroler Freiheit hat viel Kontakt mit den Italienern und nimmt auch italienischsprachige Parteimitglieder in ihren Reihen auf. Einige Parteimitglieder kommen auch aus dem Trentino.  
 
Stichwort doppelte Staatsbürgerschaft. Ist es nicht bezeichnend, dass euch bei diesem Thema ausgerechnet aus dem Vaterland Österreich ein kalter Wind entgegenweht?
Momentan fehlt in Österreich noch der politische Wille für die doppelte Staatsbürgerschaft. Die FPÖ und das BZÖ unterstützen das Vorhaben bereits, und wenn mit der ÖVP eine weitere Großpartei nachzieht, dann wird das notwendige Gesetz im Nationalrat auch verabschiedet werden. Ich bin da sehr zuversichtlich. Außerdem befürwortet auch die SVP die Initiative und 20.000 gesammelte Unterschriften für die Doppelstaatsbürgerschaft zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung hinter diesem Vorhaben steht. Darüber hinaus haben Juristen bereits bestätigt, dass die österreichische Staatsbürgerschaft für die Südtiroler rechtlich ohne weiteres möglich ist.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.

Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

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