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Der Alpenmurdoch

Athesia-Boss Michl Ebner über ständige Angriffe und die „Dolomiten“-Kampagne „Stopp der Gewalt“.

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Bild: Verena Scharf

Er war 30 Jahre lang Politiker (italienische Abgeordnetenkammer, EU-Parlamentarier), ist jetzt Handelskammerpräsident, Vizepräsident der europäischen Handelskammern und Athesia-Direktor. Für Letzteres wird Michl Ebner nur zu gerne mit Medienmogulen wie Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi verglichen. Zur Unternehmensgruppe Athesia gehören immerhin etwa zehn Printprodukte, zwei Radiostationen, drei Online-Plattformen, sechs Druckereien und Verlage, Anteile an einem Telekommunikationsanbieter, sowie Beteiligungen in medienfremden Geschäftsfeldern.

Seine Kritiker, und davon gibt es viele, bezeichnen ihn als machthungrigen Menschen, dem mehr Einfluss als Luis Durnwalder zugesprochen wird. Was er von den ständigen Angriffen gegen seine Person und sein Unternehmen hält und warum er die Stopp der Gewalt Kampagne für notwendig hält, hat er BARFUSS bei einem gespritzten Apfelsaft im Cafè Prückel in Wien erzählt. Nein, er ist nicht extra für BARFUSS nach Wien gefahren.

Wie viel Ihrer Zeit geben Sie BARFUSS?
Wie viel Zeit brauchen Sie denn?

So viel Sie zur Verfügung haben.
In jungen Jahren glaubt man Zeit unbeschränkt zur Verfügung zu haben. Je älter und erfahrener man wird, zumindest was mich betrifft, umso mehr versuche ich mit dem Gut Zeit sorgfältiger umzugehen. Für wichtige Dinge nehme ich mir gerne Zeit. Aus dem Grund würde ich sagen, lassen wir das Gespräch sich entwickeln und daran messen wir dann die Zeit.

Gutes Stichwort. Wie wichtig nehmen Sie die Kritik von anderen Medien, die die Athesia-Gruppe immer wieder als Krake und zu mächtiges Medienhaus darstellen?
Ich glaube, da muss etwas getrennt werden. Einmal gibt es die konstruktive Kritik, weil ein Medium in Sachen Berichterstattung mal daneben langt, das kann ja durchaus passieren. Eine andere Sache ist, dass man das Haar in der Suppe sucht, um Konkurrenten anzugreifen. Ich habe festgestellt, dass die Konkurrenzmedien in Südtirol zum Teil von zwei Dingen geprägt sind: Einerseits von dieser ständigen Aggression gegenüber den Athesia-Medien, weil sie sich selbst bei den Lesern und Käufern nicht durchsetzen. Andererseits davon, dass die Auseinandersetzung mit einem anderen Medium ein ausschlaggebendes Argument für die Bewertung der Gesamtzeitung ist.

Ist die Konkurrenz in Südtirol zu schwach?
Es ist nicht so, dass ich sie als schwach bezeichnen würde. Am freien Markt, und wir sind in einer sozialen freien Marktwirtschaft, kriegt jener Anbieter die Kunden, der das bessere Produkt auf den Markt bringt. Wenn wir auf dem Medienmarkt über viele Jahrzehnte bestehen können, dann heißt das, dass die Athesia-Medien gar nicht so schlecht gemacht werden, beziehungsweise werden sie weit besser gemacht als eine bestimmte Konkurrenz. Es gehen ja nicht alle Konkurrenzmedien ständig auf die Athesia los, sondern nur bestimmte.

Dass die Leser nicht öfter zur Neuen Südtiroler Tageszeitung oder anderen Zeitungen greifen, ist die Schuld der Herausgeber?
Anbieten kann jeder. Am Schluss ist es der Konsument, der entscheidet. Und der etscheidet sich für die Milch von der Mila und nicht für die von der Parmalat. Diese Entscheidung trifft er natürlich im vollen Bewusstsein. Die Alternative hat er ja.

Sie sind ja auch ausgebildeter Journalist und im Berufsalbum eingetragen. Wenn Sie nochmal 25 wären: Bei welchem Medium außerhalb der Athesia-Gruppe würden sie sich in Südtirol bewerben?
Ich bin nach der Matura als Praktikant in die Redaktion der Dolomiten eingetreten, habe dort das Handwerk gelernt und habe auch bei Zeitungen im Ausland gearbeitet. Aber ich weiß nicht, ob ich den Journalismus nochmals als Berufsfeld auswählen würde. Wenn ich mich nochmals als Journalist bewerben würde, dann muss ich ganz ehrlich sagen, würde ich wieder die Dolomiten wählen, weil mir diese Zeitung die meisten Möglichkeiten bieten kann.

Käme in Südtirol wirklich kein anderes Blatt in Frage?
Ich will hier nicht die einzelnen Medien taxieren. Aber nein, mich würde kein anderes Medium interessieren.

Sie werden ja nicht nur von den Konkurrenzmedien angegriffen, sondern auch von Persönlichkeiten wie etwa Reinhold Messner. Wie gehen Sie damit um, dass Sie ständig der Buhmann sind?
Da gibt es ein Sprichwort: Die schlechtesten Früchte sind nicht die, an denen die Wespen nagen. Wenn um meine Person nicht diskutiert würde, dann würden wir irgendetwas falsch machen, dann wären wir schon weg vom Markt. Der Reinhold Messner ist ein hervorragender Bergsteiger, da ziehe ich den Hut. Er ist auch ein exzellenter Selbstvermarkter. Im Rahmen dieser Selbstvermarktung braucht er immer wieder Reibebäume. Da gibt es in Südtirol eben die Athesia und den Michl Ebner, an denen er sich reiben kann. Messner weiß ganz genau, dass bei Attacken gegen mich es immer ein paar Medien gibt, die da immer mitmachen. 

Sie sagen selbst, dass Sie ein gutes Angriffsziel sind?
Gut will ich nicht sagen, aber für bestimmte Leute ein dankbares. Aber bei Messner gibt es noch die andere Seite: Er hat ja über viele Jahre diesen Antagonismus aufgebaut, den ich nie empfunden habe und den ich auch heute nicht als solchen empfinde. Und er hat dann versucht, das bei bei den Europawahlen für sich zu nutzen. Mein Gott: Ich habe etwa zehn zu eins gegen ihn gewonnen. Er hat das allerletzte Mandat gerade noch gekriegt. Irgendwann sollte sich jemand dann auch in Bescheidenheit üben. Bei mir läuft auch nicht alles glatt ab. Aber deshalb zerreiße ich mir auch nicht jedes Mal in der Öffentlichkeit am Waltherplatz die Kleider.

Die „Bild hat eine Zeit lang eine Anti-EU-Kampagne gefahren. Hat Sie das gestört?
Ja.

Darf Journalismus kampagnisieren?
Kampagnisieren kann sehr schnell und sehr stark ins Manipulieren abrutschen. Aus dem Grund bin ich grundsätzlich gegen Kampagnisierung.

Aber was ist mit der Kampagne „Stopp der Gewalt“ der Dolomiten? Die hatte nach außen hin eine etwas schiefe Optik, mit den Kindern Ihres Bruders, die involviert gewesen sein sollen.
Da muss ich einen Moment zurückwenden. Ich habe selbst Kinder, die Freitag und Samstag ausgehen. Da hat es in der Vergangenheit immer wieder Gespräche gegeben: „Ja da kann man nicht mehr hingehen, das ist gefährlich, da wird man zusammengeschlagen ...“. Ich habe mich umgehört und dann hieß es: „Nein, nein das sind nur Raufereien unter Jugendlichen “. Und dann war diese Situation im Sheraton. Mittlerweile ist man durch die Aktion der Dolomiten draufgekommen, dass es an die 60 ähnliche Fälle gegeben hat. Dass dann trotzdem noch Leute wie Florian Kronbichler (ehemaliger Kolumnist der Südtiroler Tageszeitung, jetzt Parlamentarier der Grünen in Rom, Anm.d.Red.) oder die Südtiroler Tageszeitung versucht haben, es so darzustellen, als ob das quasi eine ausländerfeindliche Aktion der Dolomiten wäre, ist einfach unglaublich! Man weiß mittlerweile, dass das eine Albanergruppe ist, die in eine Reihe von Straftaten verwickelt ist. Und da geht man noch her und versucht, das nochmal niederzumachen, nur weil in dem Fall die Dolomiten auf ein Problem aufmerksam gemacht hat? Das finde ich ein Musterbeispiel für schlechten Journalismus und schlechte Politik.

Sie haben sich diese Kampagne also gut überlegt?
Es gibt zig Fälle, wo Jugendliche ihre Eltern massivst bearbeitet haben, keine Anzeige zu machen, weil denen gedroht wurde: „wenn ihr zur Polizei geht, dann bringen wir euch um.“ Da ist eine Situation der Angst und der omertà entstanden, wo jeder Demokrat und jeder Journalist in Südtirol und überall auf der Welt am gleichen Strang ziehen und sagen müsste: Passt auf, da geht es um die Sicherheit unserer Bevölkerung, da geht es um die Sicherheit unserer Jugend, da geht es um die Sicherheit des Standortes, auch des Wirtschaftstandortes.

Sie reden von Angst. Trägt eine solche Kampagne nicht gerade dazu bei, die Angst in der Bevölkerung weiter zu schüren?
Ich glaube, dass der normale Bürger sehr wohl unterscheiden kann zwischen einem Ausländer, der sich normal verhält und den Kaffee in der Bar serviert, und einem Delinquenten. Da sehe ich nicht das große Problem.

In einem zweiten Moment wurde klargestellt, dass es generell um Gewalt geht und nicht nur um Gewalt, die von Albanern ausgeht. Da hat die „Dolomiten“ offenbar zurückgerudert.
Zurückrudern ist das falsche Wort. Es hat diesbezüglich nie eine ausländerfeindliche Kampagne gegeben, sondern eine Sicherheits-Kampagne. Man hat gesagt, dass hier eine Grenze klar überschritten wurde. Ich bin auch der Auffassung, dass man sich wehren muss, wenn sich Extremismus in dieser Form entwickelt. Wir werfen den Menschen in der Zwischenkriegszeit und in der Zeit des Zweiten Weltkrieges vor, dass sie sich nicht gegen das Dritte Reich und den Faschismus gewehrt haben. Und heute muss man eben sagen: Ich muss mich in bestimmten Fällen wehren. Ich glaube, dass die Redaktion der „Dolomiten“ eine richtige Entscheidung getroffen hat, weil es sich um einen Ausnahmezustand handelte.

Die schiefe Optik können Sie nicht nachvollziehen?
In diesem spezifischen Fall sehe ich sie nicht. Es waren sehr wohl oft Situationen wo man sagt, mein Gott, da hätte es anders auch sein können". Hätte man wirklich warten sollen, bis sie irgendeinen Jugendlichen umbringen?

Und das hat die Kampagne verhindert?
Ich will nicht sagen, dass man das verhindert hat, aber man hat ein Problem aufgezeigt, bei dem es in der Zwischenzeit bereits mafiöse Zustände gibt wie in Süditalien. Darüber hinwegzuschauen und das mit Nachfragen zu relativieren und in Zweifel zu stellen, finde ich intellektuell und journalistisch einfach nicht redlich. Vom Kronbichler ganz zu schweigen. Der Kronbichler hat damit für meine Begriffe die letzte Glaubwürdigkeit verloren. Aber das ist sein Problem, ich gehöre nicht zu seinen Wählern.

Zum Abschluss: Kommt Michl Ebner irgendwann zurück in die Politik?
Nein, sicher nicht.

Magdalena Jöchler

lebt und werkelt in Wien. Sie erzählt gerne Geschichten, die hoffentlich auch gelesen werden. Nein, sie ist nicht mediengeil.
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