Anzeige

Das Popsternchen

Der Meraner Philipp Genetti hat es geschafft. Er ist in die zweite Runde der ORF-Castingshow „Die Große Chance“ eingezogen. Hier das BARFUSS-Interview mit Genetti vor einigen Wochen und das Video von seinem Auftritt gestern Abend.

philipp_genetti.jpg

Bild: Julia Tapfer
Heute Abend gibt’s die ersten Castings von „Die Große Chance“ im ORF zu sehen. Auch der 21-jährige Meraner Philipp Genetti wird sich vor die nicht unbekannte Jury, bestehend aus Peter Rapp, Sido, Zabine und Karina Sarkissova, stellen. Er will als Sänger überzeugen. Im Vorcasting hat er das bereits. Auf jeden Fall will er nicht gegen einen Hund verlieren. BARFUSS hat sich mit dem quirligen jungen Mann getroffen. Er antwortet meist bedacht, rutscht oft vom Dialekt in die Standardsprache, die ihm eigentlich besser gefällt, und muss immer wieder daran erinnert werden, nicht nur zu reden, sondern auch zu trinken. „Ich rede einfach gerne“, sagt die Frohnatur von sich und lacht. Überhaupt: Gelacht wurde bei diesem Interview unglaublich viel. 
 
Im ImperialArt in Meran: Philipp bestellt sich einen Apfel-Karotten-Saft. „Mal was anderes“, denke ich erfreut darüber, dass er kein hastiger Espressotrinker ist, und es geht los.
 
Heute Abend geht’s im ORF los. Wirst du schon in der ersten Sendung zu sehen sein?
Nein, so viel kann ich verraten. Es wird eher Ende September, Anfang Oktober werden, wenn sie mein Video ausstrahlen.
 
Du warst am 1. Juni beim Casting in Innsbruck und hast deinen selbst geschriebenen Song „Nur ein Lied“ gesungen. Wie war das für dich?
Hm, interessant. Ich habe mich erst zwei Wochen davor beworben. Gleichzeitig habe ich ein Angebot erhalten, bei einem Musical in Bozen mitzuspielen, dann war das alles sehr stressig. Einen Tag vor dem Casting habe ich beim Musical gesungen, dann bin ich danach noch zu einem Jazzkonzert gegangen und es hat ein bisschen länger gedauert ... Am nächsten Tag bin ich ohne Stimme aufgewacht.
 
Philipps Saft und mein Kaffee stehen jetzt vor uns.
 
Vor dem Casting in Innsbruck habe ich dann einfach viel Tee getrunken. Und dann muss man einfach Ruhe bewahren. Das habe ich sowieso gelernt. Meine Vorbereitungen auf die Sendung und das Casting ist einfach: Chillen wos lei geat. Ruhig bleiben und sich nicht selbst narrisch machen. Das machen dann die Leute rundherum schon.
 
Was hältst du von der Jury?
Beim Vorcasting waren es Mitarbeiter vom ORF. Aber alles sehr gute Leute. 
 
Also kein Sido?
Nein, kein Sido. Ihn habe ich mittlerweile aber auch kennengelernt und seine Hand schütteln dürfen.
 
Hast du Angst vor seinen Kommentaren?
Hm, Angst kann man das nicht nennen. Aber ich bin gespannt, was ihm einfällt. Er ist ein eigener Typ und doch erfolgreich. Bei ihm weiß man nicht richtig, was Sido ist und was Paul Hartmut Würdig, also er als Mensch ist. Mir kommt vor, da wird viel gespielt.
 
Legt sich das jeder Künstler zu? Solche Rollen? Hast du auch einen Philipp Genetti, der vor dem echten Philipp steht?
Lacht. Mir kommt manchmal vor, als würde ich so langsam ein Doppelleben führen. Dass die Leute mich eher als den Künstler sehen, als den anderen, der dahinter steht. Obwohl das eigentlich schon ein Mix zwischen beidem ist. 
 
Wie war es für dich nach dem Casting?
In dem Moment, wenn man von da draußen wieder nach Südtirol kommt, beginnt man schon, sich etwas beobachtet auf der Straße zu fühlen. Aber dann sage ich mir auch: Ach, das weiß doch kein Schwein! Ich sehe das alles einfach als Riesenchance für mich, hier etwas mehr Sichtbarkeit zu bekommen. Es sollen ruhig auch ein paar Leute sehen, dass in Meran bissl wos abgeat
 
Du darfst schon trinken. Das soll hier ungezwungen sein.
Philipp nimmt einen großen Schluck.
 
Von der Musikrichtung her ist meine Musik Deutschpop. Ich finde, da gibt es noch sehr viel Potential. Max von Milland fängt ja zum Beispiel auch schon an, auf dieser Schiene zu arbeiten.
 
Früher hast du aber auch Englisch gesungen?
Ja, nur Englisch. Bis Februar habe ich nur englische Sachen geschrieben. Weil ich nicht immer den Philipp zeigen wollte, der ich bin. Weil man Englisch immer ein bisschen als Vorhang vorhalten kann. Und ich habe auch immer Angst gehabt, in die Schlagerschiene zu rutschen, wenn ich Deutsch schreibe.
 
Ist hier der Philipp dann nackter als im Englischen?
Hm, man schafft es im Deutschen schon auch, die Sachen so zu sagen, dass es nicht ganz direkt ist. Meines Erachtens, wenn man hochwertige deutsche Songs schreiben will, muss man sehr bedacht mit der deutschen Sprache umgehen. Es kommt jetzt viel öfter vor, dass ich das Lied dreimal durchlese, bevor ich es absegne, als ich das davor beim Englischen getan habe.
 
Wäre Dialekt für dich eine Option? Das wäre ja eigentlich noch etwas näher als die Standardsprache?
Ich muss sagen, ich finde es spannend, darüber nachzudenken, wie ein Dialekt entstanden ist. Aber ich kann mich in Dialekt nicht so gut hören, das gefällt mir nicht so. Ich mag es lieber, wenn ich Hochdeutsch spreche, und mich dann selbst höre. Weil das hat so etwas Künstliches. So kann ich mit der Kunst etwas mehr spielen. Die deutsche Hochsprache hat sehr viel Potential.
 
Ist ein Hintergedanke vielleicht auch, dass du dir einen Durchbruch im gesamten deutschen Sprachraum wünschst?
Lacht. Ja, das wäre natürlich das Non-Plus-Ultra. Vielleicht schreibe ich auch ein bisschen deswegen in Hochdeutsch, um etwas internationaler zu sein.
 
Ist Die Große Chance" für dich vielleicht auch die große Chance als Teenieschwarm die ganzen Mädchen zum Kreischen zu bringen?
Ja, hoffen wir‘s. Lacht. Meine Cousins sind jetzt schon zu mir gekommen und haben gefragt, ob ich jetzt der neue Justin Bieber werde. Aber meine Haare sind ja nicht glatt.
 
Würdest du sie dir glätten?
Nein, auf keinen Fall, ich mag meine Locken. Lacht.
 
Siehst du schon das Preisgeld von 100.000 Euro vor Augen?
Auf keinen Fall. Ich denk noch gar nicht daran. Ich versuche jetzt etappenweise immer 100 Prozent zu geben und versuche Österreich von mir zu überzeugen. Ich wüsste gar nicht, was ich mit dem Geld machen würde. Ich mache das auf keinem Fall wegen dem Geld.
 
Aber es wäre ein positiver Nebeneffekt.
Ja, sicher. Lacht. Ich mache das vor allem wegen den vielen Erfahrungen und Bekanntschaften. Und auch, um potentiellen Kindern mal sagen zu können: Dein Papi war mal im Fernsehen. Lacht. Ich versuche einfach immer neue Connections zu knüpfen, neue Leute kennenzulernen und auch neue Freunde zu gewinnen. Ich hoffe nur, dass mich auch diese neuen Freunde trotzdem noch als Philipp mögen. Und sich nicht nur irgendwie in meinen Schatten stellen, um selbst höher zu stehen. Ich habe das Gefühl, dass ich persönlich etwas gewachsen bin. In der Mittelschule war es mir total egal, was ich anhatte. Jetzt achte ich etwas mehr darauf, dass ich zweimal in den Spiegel schaue und nicht nur einmal, wenn ich aus dem Haus gehe. Lacht.
 
Band oder Solo?
Es ist schwer als Künstler hervorzustechen, wenn man nicht Bandleader ist. Das war ich bei meinen letzten Bands eigentlich nie. Also im Moment eher Solo, weil ich so als Künstler mehr wahrgenommen werde. Irgendwann wäre es schon cool, so was wie „Philipp Genetti und Band“. Da würde ich auch hervorstechen. Das ist gleich, wie wenn Picasso mit zehn anderen Künstlern ein Bild gemalt hätte. Da hätte vielleicht irgendjemand gewusst, dass dieser eine Strich, der besonders schön ist, von ihm gewesen ist. Aber vielleicht auch nicht. Das ist die Gefahr dabei.
 
Cover oder eigene Songs?
Eigene Songs. Absolut. Bei „Die Große Chance" wird man mich nur mit eigenen Songs hören.
 
Was sollte dir nicht passieren?
Letztes Jahr hat ein Hund gewonnen. Ich habe schon etwas Angst, dass mich ein Hund hinauskickt oder ein Jongleur hinausjongliert. Lacht.
 
Ja, das hast du Recht. Das solltest du vielleicht nicht im Lebenslauf erwähnen. Jetzt trink doch mal! Sonst sind unsere Leser ja überfordert.
Lacht. Ich rede halt so gern.
 
Und hier sein Auftritt gestern Abend:

Julia Tapfer

mag Geschichte und Geschichten. Liebt gutes Essen und hasst es, für schlechten Kaffee auch noch Trinkgeld geben zu müssen.
Anzeige

Auf a Glas'l

BARFUSS trifft regelmäßig bekannte und weniger bekannte Leute Südtirols in einem ihrer Lieblingslokale. Sie trinken, was sie möchten, und das Gespräch endet, sobald das Glas oder die Tasse leer ist. Na ja, so genau nehmen wir es dann doch nicht.

Mehr Artikel
Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Mehr Artikel

„Er bringe mich um“

Immer mehr Frauen werden Opfer von Gewalt: In einem Videoprojekt erzählen acht von ihnen anonym ihre persönliche Geschichte.
 | 
He says, she says

Wer profitiert in einer offenen Beziehung?

Männer seien sexuell aktiver, besagt das Klischee. Sind sie die Nutznießer in einer offenen Beziehung? Oder profitieren die Frauen, die sich bei der Partnersuche leichter tun?
0    

„Vorurteile und Ablehnung sind groß“

Seit rund 50 Jahren kämpft Romani Rose für die Bürgerrechte der Sinti und Roma. Diskriminierung und Unterdrückung müssen aufhören, so Rose im Podcast von Wolfgang Mayr.
0    
 | 
Autismus

Zwischen Verantwortung und Überforderung

Wie ist es, wenn das eigene Kind Asperger-Autist ist? Irene Ausserbrunner spricht über ihre Erfahrungen als Mutter, Missverständnisse im Alltag und Betreuung in Südtirol.
0    
PR Pensplan

DU bist die Heldin deiner Zukunft

Die Heldinnen von morgen tragen Jeans, weiße Turnschuhe, arbeiten, erziehen Kinder und nehmen rechtzeitig ihre Zukunft in die eigene Hand.
0    
Anzeige
Anzeige