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Da rührt sich was

Dominik Plangger stand mit dem Liedermacher Konstantin Wecker auf der Bühne, spielte in irischen Pubs und war als Straßenmusiker in Europa unterwegs.

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Bild: Bernd Schranz
Mit Hemd, Weste und der für ihn typischen Cordmütze sitzt er auf der Couch. Seine Gitarre steht verstaut im Koffer neben ihm. Am Abend hat er noch einen Auftrtitt am Gardasee. Obwohl er eigentlich längst unterwegs sein sollte, lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Er spricht entspannt, antwortet ausführlich. Dominik Plangger ist ein Vinschger Singer-Songwriter, um den modernen Begriff für Liedermacher zu verwenden. Wie er seine Musik definieren soll, weiß er selbst nicht so genau. Es sei kein Country, es sei kein Blues, es sei kein Jazz. „Ich spiele Gitarre und singe Texte dazu.“ 
 
Plangger kommt aus Stilfs, einem kleinen Ort im Westen Südtirols, direkt auf dem Weg zum Stilfserjoch. Das rollende R und der typische Vinschger-Akzent lassen seine Herkunft mehr als erahnen und ihn authentisch wirken. Der 33-Jährige ist gelernter Maler und hatte schon früh den Drang „vom Landl außizuschaugen“. Mit 19 Jahren zog es ihn erstmals nach Kanada. Zwei Sommer verbrachte er in der kanadischen Provinz British Columbia. Fünf Monate lebte er in Irland, wo er sich sein Geld als Straßenmusiker und mit Auftritten in Pubs verdiente. Vier Jahre lang lebte er in Wien. Vor wenigen Monaten schlug er seine Zelte in Innsbruck auf. Plangger wollte sich loslösen von Wien. Die Stadt sei eine Saugglocke und nicht das, was er brauche, erzählt er. 
 
Am Anfang stand die Metal-Band
 
Die Musik spielte im Leben von Dominik Plangger schon sehr früh eine Rolle: „Bereits im Kindergarten habe ich viel gesungen. Musik hat mich immer schon berührt, seit ich denken kann.“ Mit sechs Jahren begann der heute 33-Jährige mit dem Gitarrenunterricht. Er ging auch in die Musikschule, drei Jahre lang. Dann hatte er keine Lust mehr dazu. „Weil ich schon durch meine Eltern Bob Dylan und Neil Young mitbekommen habe und in der Musikschule etwas ganz anderes spielen musste, habe ich damit aufgehört.“ Mit 13 Jahren fing er wieder an Gitarre zu spielen, dann allerdings ohne Musikschule. Er brachte sich alles selbst bei, als Autodidakt. Drei Jahre später hatte Plangger seine erste Band. Metal hätten sie damals gespielt. Ein krasser Gegensatz zu seiner heutigen Musik. War es ein musikalischer Ausflug? „Ich höre mir das heute zwar nicht mehr an, aber es ist auch nichts, wofür ich mich schämen würde“, sagt er.
 
Danach machte Plangger alleine weiter und spielte wieder jene Musik, die er aus Kindheitstagen kannte und die ihn geprägt hat: Bob Dylan und Neil Young. Seit etwa zehn Jahren schreibt er seine Lieder selbst. Inspiriert wird er dabei immer noch von großen Musikern wie auch Arlo Guthrie oder Reinhard Mey. Eigentlich gebe es noch viele mehr, von denen er beeinflusst werde, sagt Plangger. Aber er habe nicht das eine Vorbild, den Helden, den er vergöttere. 
 
Englisch zu Mainstream
 
Plangger singt seine Lieder auf Deutsch. Englisch ist für ihn zu Mainstream, zu wenig authentisch. Seine Texte sind kritisch: „Sie lügen immer noch und halten uns dumm, so manche Heuchler, die uns verwalten, sie faseln von Podesten mit schüttergrauem Haar, es sind immer noch die gleichen, die Alten“, heißt es in seinem Song „Da rührt sich was in mir“. Er will mit seiner Musik aber niemanden belehren. „Es gibt Dinge, die mich stören und darüber singe ich einfach“, sagt Plangger. 
 
Und damit ist der Vinschger Liedermacher erfolgreich. Seine Musik kommt nicht nur in Südtirol gut an. Auch in Deutschland, wo er bereits mehrmals mit Konstantin Wecker auf der Bühne stand, und in Österreich finden seine kritischen Texte großen Anklang. Er arbeitet mittlerweile fast ausschließlich als Musiker. „Ich habe immer geschaut, dass ich von der Musik leben kann. Jahrelang habe ich mich deshalb als Straßenmusiker über Wasser gehalten“. Die Konzerte seien mittlerweile aber gut bezahlt und viel brauche er ohnehin nicht: Miete, was zu Essen und ab und zu Mal zwei, drei Bier. Er komme über die Runden. Allerdings auch, weil er schon seit Jahren den Sommer über auf der Alm arbeitet. Dadurch legt er sich ein finanzielles Polster für das restliche Jahr an. Und die Zeit in den Bergen sei auch Inspiration für neue Lieder. 
 
Zwei CDs hat Dominik Plangger bisher veröffentlicht. Derzeit arbeitet er an seiner dritten CD, die im Herbst herauskommen soll. Ab November wird er dann auch wieder auf Südtiroltour gehen, gemeinsam mit Cynthia Nickschas, einer Liedermacherin aus Bonn. 
Der Vinschger war außerdem zu Gast bei der zweiten Ausgabe von „Musik in der Fabrik". Ansehen und anhören könnt ihr euch das Ganze hier im Video.

Musik in der Fabrik – mit Dominik Plangger

Zu Gast bei der zweiten Ausgabe von „Musik in der Fabrik“: Der Vinschger Liedermacher Dominik Plangger.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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