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Tragbare Heimat

Sie sind mittlerweile bekannt, die T-Shirts der Marke snowflys. Eine Südtiroler Erfolgsgeschichte, die auch vom Dirndl-und Lederhosen-Boom profitiert.

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Karin Zelger ist die Erfinderin von snowflys.

Bild: Judith Dietl

T-Shirts in allen Farben und Formen hängen auf drei großen Kleiderständern im winzigen Büro hinter der Ladentheke. Auf dem Tisch daneben steht eine kleine schwarze Nähmaschine, dahinter eine undefinierbare Apparatur. „Das ist unsere Presse“, sagt Karin Zelger. „Damit bedrucken wir unsere Shirts.“ 

Die 28-Jährige ist die Gründerin von snowflys – einem Streetware-Label, das Tradition mit Style verbinden möchte. Auf den selbst entworfenen T-Shirts sind deshalb Sprüche wie Hardimitzn, Jesses Maria oder I Love my Landl in trendiger Schrift und mit frechen Abbildungen aufgedruckt. Ein moderner Lokalpatriotismus, den wohl viele gerne zur Schau tragen, denn das Geschäft laufe sehr gut, sagt Zelger. 
 
Seit mittlerweile zwei Jahren besitzt die 28-Jährige einen eigenen Shop in Meran. Neben ihren T-Shirts verkauft sie dort auch Klamotten und Schuhe anderer Marken. „Aber die T-Shirts laufen wirklich am besten“, sagt die Meranerin. Sie war selbst überrascht von diesem Erfolg. Nix geat obfetzen, Vernatsch mich oder Kas, Speck, Kaminwurz seien richtige Verkaufsschlager. Die Entwürfe zeichnet sie selbst. Die Ideen dafür entstehen, wenn sie abends oder am Wochenende mit Freunden unterwegs ist. Ganz nebenbei. „Ich denke schon in T-Shirts“, sagt Zelger. Doch nicht nur junge Südtiroler stehen auf die tragbare Heimatmode. Von jung bis alt, von Mamis über Teenager bis hin zu Omis sei alles dabei, sagt sie. Auch Touristen, denen sie die Sprüche übersetzen muss, kaufen die T-Shirts als originelles Mitbringsel.
 
Angefangen hat alles vor mehr als fünf Jahren, als Zelger im Büro einer Druckerei gearbeitet hat. „Zwei Mädchen wollten damals für eine Party drei, vier T-Shirts bedrucken lassen. Für die Druckerei eine zu geringe Stückzahl“, erzählt sie. Also habe sie sich mit einer Arbeitskollegin zusammengeschlossen und den Auftrag einfach selbst in die Hand genommen. Das Material kauften die beiden von ihrem Arbeitgeber und bedruckten damit nach Feierabend die T-Shirts. Das hat sich herumgesprochen, zuerst bei Freunden, dann bei Freunden von Freunden und so weiter. Irgendwann hatte die junge Meranerin zu viele Aufträge, um sie neben der eigentlichen Arbeit zu erledigen. Also beschloss sie, sich selbstständig zu machen. 
 
Ihr Zimmer im elterlichen Zuhause wurde zu Büro, Produktionsraum und Geschäft umfunktioniert. Ihre T-Shirts verkaufte sie über den eigenen Onlineshop snowflys.com. „Viele sind aber auch direkt zu mir nach Hause gekommen und haben mich oft gefragt, warum ich denn keinen Shop hätte.“ Also wagte sie den nächsten Schritt und eröffnete ihren ersten Laden in der Meraner Galileistraße. Seitdem sei die Nachfrage „rasant angestiegen“. Karin Zelger entwirft auch schlichte T-Shirts, etwa mit dem Snowflys-Logo darauf. „Aber die mit den Sprüchen kommen viel besser an.“ Der Dialekt zeige die Heimatverbundenheit und dass man stolz auf die eigene Herkunft sei, versucht die 28-Jährige den Erfolg ihrer T-Shirts zu erklären. „Dirndl und Lederhose sind wieder modern.“ Und dieses Heimatgefühl greife sie mit ihren T-Shirts auf. So zum Beispiel mit dem typisch blauen Schurz. Er gehört zu Südtirol wie Speck und Schüttelbrot. Also fragte sich die Meranerin, warum soll man diesen Schurz nicht mal anders zeigen und entwarf ihn eben als T-Shirt. „Gerne auch zur Lederhose getragen“, fügt sie hinzu. Und die 28-Jährige selbst, ist sie sehr heimatverbunden? „Ich bin kein brutaler Patriot, aber ich lebe gern in Südtirol und liebe die Berge.“ 

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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sehr cooles label - kreative Köpfe braucht das Land :-)
& super Artikel!

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