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Standhafte Bergbauern

Trotz Subventionen ist die Lage der Südtiroler Bergbauern schwierig, auch für den Matscher Patrik Telser. Ans Aufgeben denkt er aber nicht - Teil 2.

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Bild: Petra Schwienbacher
Das Schicksal der meisten Bergbauern ist eng mit dem Auszahlungspreis für die Kuhmilch verbunden. Laut Südtiroler Bauernbund ist der Milchpreis einer der höchsten in Europa. Im Jahr 2009 erhielt ein Bauer für seine Milch durchschnittlich 49 Cent pro Kilogramm. Nach einem Bericht des Südtiroler Sennereiverbandes ist der Auszahlungspreis sogar leicht angestiegen und betrug im Jahr 2012 durchschnittlich 50,95 Cent pro Kilogramm. Insgesamt wurde den 5.136 Milchlieferanten 189,6 Millionen Euro an Milchgeld ausbezahlt.
 
Konfrontiert man den Matscher Bergbauer, Patrik Telser mit diesen Zahlen, erntet man nur ein müdes Lächeln. „Wenn der Fett- und Eiweißgehalt der Milch vom Spitzenwert abweichen, dann führt der Milchhof Kürzungen durch. Das heißt, der Auszahlungspreis liegt oft nur noch bei 34 Cent pro Kilogramm “, rechnet der 29-Jährige vor. Auch im aktuellen Tätigkeitsbericht des Sennereiverbandes wird die Lage der Berbauern deutlich: Die Wirtschaftlichkeit der Bergbauernhöfe habe sich aufgrund der steigenden Strom-, Treibstoff- und Futterpreise im vergangenen Jahr verschlechtert. Die höheren Produktionskosten fressen den durchschnittlichen Milchpreis von 50,95 Cent regelrecht auf. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Produktivität im Berggebiet grundsätzlich geringer ist als in günstigeren Lagen.
 
Kampf um die Beiträge
 
Umso wichtiger sind für das bergbäuerliche Überleben die EU- und Landessubventionen. Das Land Südtirol schüttet die Förderungen anhand von Erschwernispunkten wie Hangneigung, Meereshöhe oder Entfernung zur nächsten Ortschaft aus. Als Laie verliert man schnell den Überblick in diesem Beitragsdschungel. Für den Kauf eines neuen Traktors oder einer neuen Melkmaschine gewährt das Land eine Investitionsförderung, für das Mähen steiler Wiesen vergibt es einen Grünlandbeitrag. Die EU zahlt für die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen eine Betriebsprämie.
 
Der Südtiroler EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann verkündete kürzlich, dass auch zukünftig mit Geld aus Brüssel zu rechnen sei: „Es ist uns gelungen die Ausgleichszulage zu erhöhen, die Agrarumweltprämie abzusichern, eine bessere Jungbauernförderung zu schaffen und die Investitionszuschüsse weiterzuführen.“ Allerdings beinhaltet die neue EU-Agrarreform keine Absicherung für benachteiligte Gebiete nach dem Auslaufen der Milchquoten in zwei Jahren. Mit den Milchquoten wird die Milchproduktion in den EU-Mitgliedsstaaten beschränkt, um eine Überproduktion, die so genannten „Milchseen", zu vermeiden und eine gewisse Preisstabilität zu garantieren. Mit dem Auslaufen der Quoten im Jahr 2015 stehen wohl eine Liberalisierung des Milchmarktes und ungewisse Zeiten für die Bauern bevor.
 
Partik Telser bewertet die gegenwärtige Beitragssituation nüchtern: „Ja, es stimmt schon, dass wir Subventionen erhalten, aber ohne die Beiträge wäre die Berglandwirtschaft für mich sowieso ein Defizitgeschäft“. Dem Matscher Bergbauer geht es gar nicht um höhere Subventionen, er wünscht sich, dass die heimische Gastronomie stärker auf die lokalen Bauernprodukte zurückgreift. „Es ärgert mich, wenn ich ins Gasthaus gehe und dort steht nicht unsere einheimische Milch.“ Schließlich hätten der Tourismus und die Südtiroler Bevölkerung den Bergbauern ein gepflegtes Landschaftsbild zu verdanken. Doch das werde nicht immer wertgeschätzt.
 
Nischenprodukte als Lichtblick 
 
Um die Landwirtschaft langfristig am Berg halten zu können, brauchen die Milchbauern eine Perspektive. Für einige Bergbauern stellt der Anbau von Beeren und Kräuter, die Herstellung von Käse und Bio-Joghurt oder der Urlaub auf dem Bauernhof eine Alternative dar. Das sind durchaus erfolgsversprechende Nischenprodukte, doch nicht jeder Hof ist dafür geeignet. In einem ff-Interview (ff 50/08) sagte der ehemalige Bauernbundobmann Georg Mayr:  „Wir können nicht 11.000 Bergbauern sagen: Bitte, macht alle ein Nischenprodukt! Bevor die so weit sind, sind viele den Bach hinunter.“ Den Restiefhof den Bach runter gehen zu lassen, kommt für Patrik Telser auf keinen Fall in Frage. Der Gewinner des Jung-Bergbauernpreises 2012 gibt sich kämpferisch. Er will auf Jungvieh und die Fleischproduktion umsteigen. Ihm gefällt die Hofarbeit und er schätzt die Dorfgemeinschaft in Matsch. Wenn die Berglandwirtschaft genug abwerfen würde, würde er ausschließlich als Bergbauer arbeiten. So aber müssen Patrik und seine Lebensgefährtin Karin weiterhin ins Tal pendeln, für den Zweitjob. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Wir wollen ja nicht das große Geld verdienen, aber es wäre schön, wenn wir von unserem Hof leben könnten.“
 
Den ersten Teil gibt es hier nachzulesen.
 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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Ich kann den Wunsch der Bergbauern, die Familientradition hoch zu halten nachvollziehen, frage mich aber, ob man wirklich immer alles subventionieren und unterstützen muss. Es gibt halt auch nur noch wenige Hufschmiede, Buchbinder, Drucker, Schuster oder Büchsenmacher. Die Zeiten ändern sich und der Mensch sollte es auch. Sich an Traditionen zu klammern, die nicht mehr zeitgemäß sind, geht auf Dauer nicht gut.

Letztlich unterliegt auch die Berufswelt irgendwie der Evolution. Lemminge vermehren sich auch nur, solange genug Futter da ist. Und wenn es weniger Milchbauern und damit auch weniger Milch gäbe, dann wären die Preise auch nicht im Keller. Der Weg der Ökonomie. Man muss sich halt andere Nischen suchen. Urlaub auf dem (Berg-)Bauernhof, organisierte Auszeiten für Stress-geplagte Manager (die sogar dafür zahlen, körperlich arbeiten zu dürfen) etc. immer nach Förderungen zu rufen und sich selber nichts zu überlegen finde ich den falschen Weg.

Deutschland hat den traditionellen Bergbau auch inzwischen nahezu eingestellt...

Man darf aber in diesem Fall die Rolle der Mutter nicht unterschätzen und ignorieren!

Würde diese nicht aktiv beim Hof mitarbeiten und bei Abwesenheit von den Jüngeren (von Montag bis Freitag) einige viele Arbeiten verrichten, wäre dies alles überhaupt nicht möglich.
Die Mutter "hilft nicht nur ein wenig im Stall mit", nein sie übernimmt meist oder sehr oft die gesamte Arbeit im am Hof; z. B. Heu und Futter für die abendliche Stallarbeit herrichten, Holz hacken, Wiesen von winterlichen Steinen und Holz räumen, auf die Tiere aufpassen, wenn nötig den Tierarzt rufen um die Zucht weiterzubringen, ....
Sie geht alleine ins Feld nachmähen und bearbeitet von Hand die Wiesen so weit, dass abends mehr oder weniger oft nur mehr alles einzufahren ist.
Meist sind das Leute, die trotz Hof - Übergabe mit Herz und Seele dabei sind und zu helfen versuchen, leider wird dies von den Übernehmenden oft als Störfaktor oder Einmischung empfunden.
Man sollte diese Leute (Eltern, Schwiegerelter, Geschwister) die versuchen mitzuhelfen nicht einfach beiseite lassen.
Die Eltern die Jahr ein Jahr aus auf dem Hof sind (z. B. die Eltern), teilweise nur diese Arbeit kennen, sollten ebenfalls erwähnt und vielleicht auch mal befragt werden wie sie nach Hofübergabe zurechtkommen.

Die "altbäuerin" mama irma, isch und bleib s`herz fan restiefhof. Ohne ihr tats in houf long schu nimmer gebm! danke mama

Wir haben erst kürzlich über genau dieses Thema gesprochen. Ich fände es wirklich schade, wenn die vielen Höfe aufgelassen würden. Auch weil sich das Landschaftsbild dann in vielen Tälern deutlich ändert und vielleicht für viele Touristen nicht mehr so attraktiv ist. Insofern fände ich es wirklich gut, wenn der Tourismus auch seinen Beitrag zur Erhaltung der Bergbauern leisten würde - wie im Artikel erwähnt z.B. durch vermehrten Einsatz von einheimischen Produkten. Denn nur durch Subventionen die Bergbauern "künstlich" zu erhalten kann auch nicht das Ziel sein.

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