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Schottische Scheidung

Schottland entscheidet in einem Referendum über seine Abspaltung von Großbritannien. Ein Jahrhundertereignis mit Auswirkungen auf Südtirol – Teil 1.

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Bild: Oliver Kainz
Südtirols Kämpfer für die Selbstbestimmung haben einen bemerkenswerten Image-Wandel vollzogen. Früher setzten Eva Klotz & Co. auf martialische, angsteinflößende Fackelumzüge. Seit dem Unabhängigkeitstag iatz in Meran inszeniert man hingegen fröhliche Folklore und verweist auffallend oft darauf, dass auch andere europäische Völker nach Selbstbestimmung streben. Die Schotten stimmen zum Beispiel in einem Referendum darüber ab, ob das Land ein Teil des Vereinigten Königreichs bleibt oder sich als unabhängiger Staat deklariert. Doch was sind die Risiken eines solchen Referendums? Steht Schottland als eigener Staat wirtschaftlich besser da? Wie wird die Abstimmung ausgehen? Eine Reise nach Edinburgh liefert Antworten.
 
Better alone or together?
 
Noch deutet nichts in der schottischen Hauptstadt Edinburgh darauf hin, dass das Land vor einer politischen Jahrhundertentscheidung steht. Die charmante Stadt ist fest im Griff des Kulturfestivals „Fringe“. Clowns und Straßenkünstler erobern die Straßen, Studenten rühren eifrig die Werbetrommel für Theaterveranstaltungen und Stand-Up-Comedy. Politische Kundgebungen? Fehlanzeige. Zugegeben, das Unabhängigkeitsreferendum findet erst in gut einem Jahr statt. Hinter den Kulissen positionieren sich aber schon die politischen Kräfte. Auf der einen Seite steht die separatistische Scottish National Party (SNP), die das Referendum initiiert hat. Die Gegner sind die sozialdemokratische Labour Party, die Konservativen und die Liberalen. Diese Parteien sprechen sich in der „Better-Together-Kampagne“ für einen Verbleib Schottlands bei Großbritannien aus. 
 
Douglas Campbell ist Parteisekretär der SNP in Edinburgh. Im Gespräch mit BARFUSS erklärt er, warum Schottland sich von Großbritannien lösen will: „Schottland würde als eigenständiger Staat wirtschaftlich erfolgreicher und sozial gerechter werden.“ Als unabhängiger Staat möchte Schottland stärker als bisher von der Erdölförderung in der Nordsee profitieren. Aus der Ölförderung entstehen Steuereinnahmen, die momentan nach London, aber nicht im vollen Umfang wieder nach Schottland zurückfließen. Kritiker sagen, dass die SNP in diesem Punkt zu kurzfristig denkt, da das Öl bereits zur Neige geht.
 
EU-Mitglied bleiben
 
Douglas Campbell lässt diesen Einwand nicht gelten: „Die Ölförderungen werden noch mindestens 50 Jahre andauern. Abgesehen davon ist Schottland dank seiner Exportschlager Fisch, Rindfleisch und Whiskey überlebensfähig.“  Trotz Separatismus und markigen Sprüchen unterstreicht Campbell: Wir sind keine nationalistische oder gar rassistische Partei." Mit Großbritannien will die SNP auch in Zukunft ein gutes Nachbarschaftsverhältnis pflegen. Schottland soll den Pfund als Währung und die Queen als Staatsoberhaupt behalten. Doch während Großbritannien unter Premier David Cameron mit einem Austritt aus der EU liebäugelt, möchte sich die SNP mehr auf Europa zubewegen und auf jeden Fall EU-Mitglied bleiben.
 
Welche Auswirkungen das schottische Referendum auf die Südtiroler Politik hat, gibt es morgen im zweiten Teil.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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