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Schottische Scheidung

In den Umfragen liegen die schottischen Separatisten zurück. Können sie das Ruder noch herumreißen? Die politische Analyse – Teil 2.

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Bild: sxc.hu: Alistair Williamson
Die politische Debatte kreist auch um die Frage, wie sich der Finanzsektor in einem eigenständigen Schottland entwickeln würde.  Alistair Darling, ehemaliger britscher Finanzminister und jetzt Kopf der Better-Together-Kampagne, sagt, ein unabhängiges Schottland hätte die Rettung der Royal Banc of Scotland in der Finanzkrise 2008 nicht geschafft. Der britische Staat half damals mit 45 Milliarden Pfund aus. Die Scottish National Party (SNP) kontert: London hätte die Bank gerettet, auch wenn Schottland damals schon eigenständig gewesen wäre. Die Royal Banc of Scotland sei systemrelevant und somit „too big to fail“. Douglas Campbell fügt hinzu: „Schottland kann sich dank seiner Ölvorkommen Geld beim internationalen Währungsfond leihen, falls eine Bank vor der Pleite gerettet werden muss.“ 
 
Stolze Schotten
 
Neben wirtschaftlichen Aspekten spielt, ähnlich wie in Südtirol, auch die Identitätsfrage eine wichtige Rolle. Viele Schotten fühlen sich nicht als Briten und sind stolz auf ihre eigene Flagge und Fußballnationalmannschaft. Für die Vertreter von „Better Together“ gehört Schottland hingegen zur Familie des Vereinigten Königreichs. Ihr Credo: In jeder Ehe gibt es ab und zu Krach, aber deswegen muss man doch nicht gleich die Scheidung einreichen. Der Weg in die Unabhängigkeit ist für sie mit zu vielen Risiken behaftet. Da Großbritannien kein Mitglied des Schengenraums ist, drohen bei einer Unabhängigkeit Schottlands womöglich Grenzkontrollen zwischen den beiden Ländern. SNP-Funktionär Campbell wiegelt ab: „Better Together versucht mit solchen Aussagen bewusst Angst und Unsicherheit zu schüren.“ 
 
Entscheidend ist natürlich, welche Argumente das schottische Volk überzeugen. Momentan gibt es keine Mehrheit für ein unabhängiges Schottland. Die Separatisten liegen in den aktuellen Umfragen zwischen 35 und 40 Prozent, während die Unabhängigkeitsgegner bei ungefähr 60 Prozent liegen. Douglas Campbell gibt sich optimistisch, diesen Trend noch umzukehren: „Viele Schotten sind noch unentschlossen und die gilt es zu überzeugen.“ Die Scottish National Party hat bei den Regionalwahlen zwar 45 Prozent der Stimmen erhalten, aber einige SNP-Wähler bevorzugen moderate Autonomiebestrebungen gegenüber dem abenteurlichen Unabhängigkeitskurs. Im Klartext: Das schottische Regionalparlament soll weitere Kompetenzen bekommen, auf einen eigenen Staat kann man aber auch gerne verzichten. 
 
Signalwirkung für Südtirol
 
Das schottische Referendum ist ein Ereignis mit einer bedeutenden Signalwirkung für Südtirol. Stimmen die Schotten für den Verbleib bei Großbritannien, dürfte sich die SVP mit ihrer pragmatischen Politik der kleinen Schritte bestätigt fühlen. Ganz nach dem Motto: „Seht her, Selbstbestimmungsexperimente sind zum Scheitern verurteilt. Deswegen bleiben wir auf dem bewährten Pfad der Autonomie.“ Stimmen die Schotten für die Unabhängigkeit, werden die Autonomiegegner neuen Auftrieb erfahren. Ich höre Eva Klotz schon rufen: „Wenn sich Schottland von Großbritannien abspaltet, dann verabschieden wir uns doch auch schleunigst von Italien.“ Noch ist unklar, wie das Referendum ausgehen wird. Eines steht jedoch fest: Europa wird am 18. September 2014 gespannt nach Schottland blicken. Eva Klotz hat den Tag der Abstimmung schon fett in ihrem Kalender angestrichen.
 
Den ersten Teil gibt es hier nachzulesen.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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