Anzeige

Männerverein

Seit sieben Jahren dreht sich bei elf Passeirern alles um den fahrbaren Untersatz. Die Streetburner schrauben nicht nur gerne an ihren Autos.

gruppmfoto_30x40cm.jpg

Bild: Patrick Pfitscher/Streetburner

In Südtirol gibt es etwa zehn Vereine, die sich ganz dem Tuning oder einer bestimmten Automarke verschrieben haben. Sie geben sich Namen wie „Street Angels“, „Streetracers“, Ghost Runners" oder eben Streeburner" – den süßen Geschmack der Gefahr immer implizierend.

Seit sieben Jahren dreht sich auch bei elf Passeirern alles um Autos. Passend dazu haben sie einen Verein gegründet, der sich dem Autotuning und der Organisation des jährlich stattfindenden Tuningtreffens widmet. Die Streetburner aus St. Martin in Passeier sind ein markenoffener Tuningclub, die Automarke spielt bei ihnen keine Rolle. Was die einzelnen Mitglieder an ihren Autos verändern ist Geschmackssache: Die einen bauen einen stärkeren Motor ein, andere feilen nur an der Optik ihres Gefährts und kleben dafür einen „bösen Blick“ auf die Motorhaube. „Wieder andere wollen einen guten Sound, so dass man glaubt ein Flugzeug landet“, erklärt Ewald Ilmer, der Pressesprecher der Streetburner.

Noch wichtiger als die Arbeit an den Autos ist den Passeirern das jährliche Tuningtreffen im Sommer. Ab Februar dreht sich alles nur noch um die Organisation des Events. Erst im Herbst wird es für die Streetburner wieder ruhiger. Dann gönnen sie sich ein paar Ausflüge, zum Beispiel zum Go-Kart-Fahren nach München.

Kompliziertes Aufnahmeverfahren

Die Streetburner sind mehr als nur Vereinsmitglieder, sie sind echte Kumpels. Und das möchten sie auch bleiben. Damit sie eine eingeschworene, kleine Gruppe bleiben, haben sie sich ein aufwändiges Aufnahmeverfahren ausgedacht: Grundvoraussetzung ist, dass man die Mitglieder kennt, Fremde haben es eher schwer. Erfüllt man dieses Kriterium, dann kann man einen Antrag stellen. Danach kommt die Probephase: In dieser Zeit muss man sein Engagement für den Verein unter Beweis stellen und ernsthaften Willen an den Tag legen. Eigene Ideen und die Mithilfe bei der Organisation des Tuningtreffens sollten ausreichend vorhanden sein. Hat man sich in der Probezeit bewährt, dann gibt es noch eine Art Feuertaufe. Worin diese besteht, wird von Fall zu Fall entschieden. „Eines der Mitglieder musste ein Bierfass auf einer Kraxe an einen Ort tragen, wo das Fass dann feierlich angestochen wurde", erzählt Pressesprecher Ilmer von einer der Bewährungsproben.

Nicht alle Bewerber überstehen die Probezeit. Derzeit gibt es ein Mitglied auf Probe. „Uns ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Wenn ein oder zwei ständig dagegen arbeiten, dann sind sie weg“, kommentiert Ilmer die strengen Aufnahmekritierien.

Frauen? Nein danke!

Und wie sieht es mit Frauen aus? „Damit haben wir eher schlechte Erfahrungen gemacht“, sagt Ilmer. Die Vereinsmitglieder dürfen ihre Freundinnen zu Ausflügen zwar gerne mitnehmen, richtige Mitglieder dürfen sie aber nicht mehr werden. „Wenn die sich trennen, dann kommt es nur zu Streitereien. Der Verein soll für uns ein Zufluchtsort bleiben“, scherzt Ilmer. Bei den Treffen in der Vereinshütte müssen Frauen also draußen bleiben.

Dabei sein dürfen sie dafür beim Tuningtreffen im August, genauso wie 2.500 bis 3.000 weitere Besucher. Dieses Jahr fand das Treffen bereits zum achten Mal statt. Die Einnahmen werden von den Streetburnern an lokale Vereine gespendet. „Wir geben das Geld lieber wem, der es wirklich braucht“, erklärt Ilmer. So durfte sich die Feuerwehr Passeier schon mal über einen Rettungsrucksack freuen. Die Streetburner sind also keineswegs autofixierte Junggesellen, sie geben den Passeirern auch etwas zurück. 

Magdalena Jöchler

lebt und werkelt in Wien. Sie erzählt gerne Geschichten, die hoffentlich auch gelesen werden. Nein, sie ist nicht mediengeil.
Anzeige

Unsere Vereine

Mehr als 3.000 ehrenamtliche Vereine und Verbände gibt es laut Landesinstitut für Statistik in Südtirol. Von Musikkapellen über Feuerwehren bis hin zu Sportvereinen ist alles dabei. Darunter sind aber auch weniger bekannte und oft ausgefallene Vereine. BARFUSS stellt einige davon vor. 

Mehr Artikel
Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Mehr Artikel

Bring Ordnung in die wilde Wohnung

Kann Aufräumen Spaß machen? Ja, wenn man der KonMari-Methode von Marie Kondō folgt. Aufräum-Coach Berta Pircher Margesin hat sie nach Südtirol gebracht. Eine Autorin von zebra. hat sie ausprobiert.
0    

Reicher Boden, leere Hosentaschen

Die Igbos im nigerianischen Biafra wollen nicht weg aus ihrer Heimat: Sie werden vertrieben, weil sie Christen sind.
0    
 | 
Gewalt gegen Männer

"Die Scham sitzt tief"

Häusliche Gewalt gegen Männer ist real, wenn auch in deutlich geringerem Maße als Gewalt gegen Frauen. Die Opfer fühlen sich oft allein gelassen oder gar verspottet.
0    
 | 
Interview zum Islamismus

„Wir Muslime müssen Extremisten isolieren“

Ist der Islam eine Religion des Friedens? Oder eine Ideologie der Unterdrückung? Der Islamforscher Ahmad Milad Karimi plädiert für einen differenzierten Blick.
0    
Raiffeisenverband Südtirol

Selbst ist die Frau

Geld schafft finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit. Aber wie können sich Frauen diese aufbauen?
0    
Anzeige
Anzeige