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Ich wähle nicht, weil ...

Wählen bringt nichts – argumentieren Nichtwähler. Stimmt nicht. Ein Plädoyer für die Teilnahme an den Landtagswahlen.

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Bild: Oliver Kainz
Wählen gehen ist Bürgerpflicht  das weiß jedes Kind. Bei den Landtagswahlen 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 80,1 Prozent. Das klingt erstmal gut. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass 20 Prozent der Wahlberechtigten – also rund ein Fünftel – zu Hause blieb. Warum eigentlich? BARFUSS setzt sich mit den Argumenten der Nichtwähler auseinander.
 
1. Ich wähle nicht, weil alle Parteien gleich sind. 
DAS Totschlagargument schlechthin. Wer sagt, es gebe keinen Unterschied zwischen den Parteien meint eigentlich nur, dass er selbst keinen Unterschied zwischen ihnen macht. Die Konzepte der Politiker, wie die zukünftigen Herausforderung zu bewältigen sind, gehen weit auseinander. Je nachdem, welche Partei gewinnt, wird sich Südtirol unterschiedlich entwickeln. Die verschiedenen Positionen kann man hier nachlesen.
 
2. Ich wähle nicht, weil das ganze (kapitalistische) System beschissen ist.
Zugegeben, mir gefällt die hässliche Fratze des Kapitalismus auch nicht: Ausbeutung, Ungerechtigkeiten und Umweltzerstörung wohin das Auge reicht. Aber es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir versammeln uns in bester Che-Guevara-Manier auf dem Bozner Waltherplatz und starten eine Revolution, oder wir wählen eine Partei, der wir am ehesten zutrauen, Kapitalismus und Alltag erträglich für uns zu gestalten. Ich entscheide mich für die zweite Option.
 
3. Ich wähle nicht, weil mich Politik gar nicht betrifft. 
Erstaunlich hartnäckig hält sich auch dieses Argument in jeder Stammtischrunde. Ob Bus und Zug regelmäßig verkehren, ob wir einen Studien- oder Arbeitsplatz ergattern oder ob wir ein ordentliches Bildungs- und Gesundheitssystem haben  all das hat mit Politik zu tun. In anderen Worten: Politik regelt das Gemeinwesen und das betrifft jeden von uns.
 
4. Ich wähle nicht, weil meine Stimme ja doch nichts zählt.
Während die SVP trotz Kompatscher-Effekt um die absolute Mehrheit bangt, müssen die kleinen Parteien um den Einzug in den Landtag zittern. Je knapper die Wahl wird, um so entscheidender kann jede einzelne Stimme werden. Das liegt auch am Verhältniswahlrecht, demnach werden die Landtagssitze nach dem Gewicht der erreichten Stimmen vergeben. Man möge mir den Griff in die Floskelkiste verzeihen, aber am 27. Oktober wird jede Stimme zählen. 
 
5. Ich wähle nicht, weil ich mich mit keiner Partei zu 100 Prozent identifizieren kann. 
Wählen ist kein Selbstverwirklichungstrip, bei dem ich jemanden wählen soll, der zu 100 Prozent zu mir passt. Es gibt mehrere Motive seine Stimme abzugeben. Man kann eine Partei wählen, weil sie für die Prinzipien steht, die man für richtig hält. Man kann auch ein Programm überzeugend finden oder einen Kandidaten für besonders kompetent halten. Schlussendlich gilt es, jene Partei auszusuchen, die den eigenen Vorstellungen und Interessen am stärksten entspricht. Rund 14 Listen stehen bei den Landtagswahlen zur Auswahl. Da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein. 
 
6. Ich wähle nicht, weil Politiker nur Dinge versprechen, die sie später sowieso nicht halten. 
Ja, es ist frustrierend, wenn durch Koalitionen, Kompromisse oder eine sich verändernde Wirtschaftslage viele der schönen Vorsätze auf der Strecke bleiben. Aber sehen wir es doch so: Demokratie gibt uns die Chance unzuverlässige Politiker abzustrafen und glaubwürdige Politiker mit unserer Stimme zu belohnen. Machen wir von dieser Möglichkeit doch Gebrauch!
 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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