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Die Mutter der Sanität

Ein alter Hase für ein völlig neues Ressort. Wie Martha Stocker dem Gesundheitswesen neues Leben einhauchen will.

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Bild: Martha Stocker

Geradlinig, bodenständig und empathisch. So beschreibt sich Martha Stocker. Ihr Lebenslauf ist lang, sie ist sozusagen schon ein „alter Hase“ in der Politik. Ab jetzt ist sie die Chefin des neu geschaffenen Ressorts Wohlfahrt. Ihr Themenbereich umfasst Gesundheit und Sport, Sozialwesen und Arbeit. Eine Herausforderung, meint die 59-Jährige im Interview, das sie nur schriftlich beantworten wollte.

Mal ehrlich: Kultur und Bildung hätten Sie doch mehr gereizt?

Ich habe mich immer schon für Kultur und Bildung engagiert, sie wird immer in meinem Herzen bleiben, das ist auch der Bereich, aus dem mein ursprüngliches politisches Engagement kommt. Jetzt habe ich einen neuen Aufgabenbereich erhalten, der eine große Herausforderung darstellt und in dem ich – je mehr ich mich mit den Themen beschäftige – eine große Chance erkenne.

Jetzt haben Sie unter anderem den Patienten Sanität bekommen. Was kommt auf Sie zu?

Das Gesundheitswesen steht in Südtirol grundsätzlich auf sehr gesunden Beinen. Wichtig wird es sein, die Kräfte zu bündeln, die Zusammenarbeit zu verstärken und sinnvolle Synergiemöglichkeiten zu nutzen. Und vor allem, die Kommunikation zur Bevölkerung zu verbessern, denn im Mittelpunkt der Arbeit der vielfältigen Gesundheitsdienste muss immer der Mensch stehen.

Warum muss man, wenn man zur Augenkontrolle will, zuerst zum Dorfdoktor einen Zettel holen, um dann im Krankenhaus einen Termin zu machen, auf den man ein halbes Jahr warten muss? Wie wollen Sie aus diesem Bürokratieschlamassel rauskommen?

Das Ziel dieser Vorgehensweise war und ist es, dass der eigene Hausarzt der erste Ansprechpartner für alle Gesundheitsfragen der Bürgerinnen und Bürger ist. Erst nach dieser Konsultation werden weitere Schritte in Richtung spezialisierte Gesundheitsleistungen gesetzt. Das Vertrauen und das Verständnis für diesen Weg muss bei unserer Bevölkerung neu aufgebaut werden.

Besonders Pflegekräfte gelten als Burn-Out-gefährdet. Es gibt jetzt schon Personalprobleme. Wie möchten Sie solche Berufe für junge Leute attraktiv machen?

Die Pflegeberufe haben Zukunft, dies hat uns die Entwicklung klar aufgezeigt, insbesondere was die Betreuung von älteren Mitmenschen angeht. Natürlich erfordert diese Arbeit sehr viel Einsatz, denn es geht um Arbeit am Menschen. Aber was kann andererseits erfüllender sein? Wir werden in diesem Bereich die verschiedenen Qualifikationsstufen genau analysieren müssen und schauen, welche Leistungsanforderungen gestellt sind, damit wir die professionellen Kräfte gezielt einsetzen können.

Ist die Gründung einer Medical School vom Tisch oder werden Sie die Idee nochmals aufgreifen?

Die Verbesserung und Potenzierung der Ärzteausbildung ist ein großes Anliegen. Wir werden die verschiedenen Modelle analysieren und uns dann für einen Weg entscheiden.

Laut Caritas wächst die Armut in Südtirol. Was wollen Sie dem entgegensetzen?

Wir leben in einem Land, in dem wir glücklicherweise imstande sind, soziale Auffangnetze zu spannen. Doch dies ist der letzte Schritt: zuallererst gilt es, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, die die Menschen befähigen, ihr Leben zu bewältigen und die Alltagserfordernisse durch eigene Kraft zu erwirtschaften. Die eigene Arbeit muss ein Auskommen mit dem Einkommen ermöglichen.

Mehr Sport und Bewegung stärkt die Gesundheit. Wie wollen Sie die sesselklebenden Südtiroler zu mehr Bewegung bringen?

Es war für mich sehr wichtig, den Sport in mein Ressort aufzunehmen, da hier das Kernstück für die Gesundheitsprävention liegt. Wir werden die bisher gesetzten Initiativen für mehr Bewegung analysieren und sehen, was wir als Ressort noch anbieten können und sollten. Es ist für mich zusätzlich sehr wichtig, hier unsere Sport- und Freizeitvereine zu stärken, denn sie spielen eine zentrale Rolle im Breitensport – und somit in der Motivation zu mehr Bewegung, vor allem schon von Kindesbeinen an.

Sie sind Ehrenpräsidentin des FC Südtirol der Damen und sportinteressiert. Welche Position würden Sie auf dem Spielfeld einnehmen?

Ich wäre wohl ein klassischer Sechser, der in der Verteidigung und Wahrung des bestehenden Positiven viel leistet, aber auch das Spiel nach vorn zu neuen Erfolgen eröffnet.

Welchem Südtiroler Sportler halten Sie in Sotschi besonders die Daumen?

Ich drücke allen unseren Sportlern und Sportlerinnen ganz fest die Daumen, denn sie liegen mir am Herzen und ich habe größten Respekt vor ihren Leistungen! Besonders freuen würde ich mich über einen Erfolg von Armin Zöggeler, als abschließende Krönung seiner großartigen Karriere!

Petra Schwienbacher

mag große Hunde, ihre rote Rostlaube und Mamas Lasagne. Sie ist laut ihren Freunden immer lustig und labert gerne Blödsinn. Beim Schreiben kann sie aber auch ernst bleiben.
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