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Der Bauernvertreter

Sind Bauern privilegiert? Nein, sagt der neue Landwirtschafts-Landesrat Arnold Schuler.

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Bild: Arnold Schuler

Er zählt als großer Gewinner der politischen Erneuerung:  Arnold Schuler errang bei den Landtagswahlen auf der SVP-Liste nach Arno Kompatscher am meisten Vorzugsstimmen. In der neuen Landesregierung ist der 51-Jährige für Land- und Forstwirtschaft, die Gemeinden und den Zivilschutz verantwortlich. Als Landwirt und ehemaliger Gemeindepräsident sind das Zuständigkeiten, die zu Schuler passen. Eine gmahnte Wiesn wird die neue Legislaturperiode für den einstigen Rebellen aus Plaus trotzdem nicht.

Sie sind Politiker und Bauer. Pflücken Sie ihre Äpfel eigentlich noch selbst?
Als ich Präsident des Gemeindenverbandes geworden bin, habe ich für meinen Hof einen Betriebsleiter angestellt. Aufgrund meiner politischen Tätigkeit habe ich kaum Zeit, um in der Obstwiese zu arbeiten. Aber wenn es sich in meiner Freizeit ausgeht, dann bin ich gerne dort.

Setzen Sie auf bio oder konventionellen Obstbau?
Ich bin konventioneller Obstbauer. Aber ich respektiere den biologischen Anbau voll und ganz. Die Vielfalt im Obst- und Weinbau ist eine wichtige Stärke unserer Landwirtschaft.

Sind Bauern die privilegierteren Unternehmer?
Nein, die durchschnittliche Betriebsgröße der Obst- und Weinbauern ist recht klein und liegt bei 2,5 Hektar. Das bedeutet, dass der Großteil der Bauern alle Hände voll zu tun hat, um die eigene Familie ernähren zu können. Viele Bauern brauchen neben der Landwirtschaft einen zweiten Job, um über die Runden zu kommen.

Aber Bauern zahlen doch keine Immobiliensteuer (IMU) für ihre landwirtwirtschaftlichen Betriebsgebäude.
Es stimmt absolut nicht, dass die Bauern keine IMU zahlen. Für Wohngebäude zahlen Landwirte gleich viel IMU wie alle anderen auch. Ebenso werden die Zweitgebäude mit dem vollen Promillesatz besteuert. Hinzu kommt, dass die Obst-, Wein-, und Milchbauern über die Genossenschaften noch einmal einen IMU-Anteil zahlen müssen. Ich persönlich habe als Bauer im Jahr 2013 zwischen 9.000 und 10.000 Euro an IMU gezahlt. Das ist kein kleiner Betrag.

Wie wollen Sie die Abwanderung in der Berglandwirtschaft verhindern und die Bergbauern stärken?
Zum Glück ist die Abwanderung in der Südtiroler Berglandwirtschaft noch nicht so stark wie in anderen Regionen. Die Politik hat in der Vergangenheit viel für den ländlichen Raum gemacht, man denke nur an die ganzen Erschließungsstraßen. Aber es ist unbestritten, dass wir noch mehr tun müssen, um den Bergbauern ein gutes Leben zu ermöglichen. Momentan wird in Rom über die neue Agrarreform verhandelt. Im Laufe der nächsten Wochen wird sich zeigen, wie viel Geld Südtirol zukünftig für die Landwirtschaftsförderung erhält.

Ab 2015 fällt die EU-Milchquote weg. Dadurch könnten die Auszahlungspreise weiter sinken. Ist das der Todesstoß für viele Bergbauern?
Das wird eine große Herausforderung, die wir bewältigen müssen. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn die Bauern das Land bewirtschaften, dann profiteren vom gepflegten Landschaftsbild nicht nur Touristen, sondern alle Südtiroler.

In der Vergangenheit sind Sie in der SVP häufig als unbändiger Rebell aufgefallen. Wird man in der Landesregierung einen ruhigeren Arnold Schuler erleben?
Die Ausgangslage ist jetzt eine andere als in der Vergangenheit. Die neue Landesregierung vertritt einen neuen Politikstil, für den ich selbst jahrelang gekämpft habe. Als Landesrat kann ich jetzt an vorderster Front etwas bewegen und meine Vorhaben umsetzen.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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