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Broken bridges

Die Gesellschaft für bedrohte Völker versuchte Brücken zwischen den Minderheiten in Deutschland und der Ukraine zu „bauen“. Doch seit dem russischen Eroberungskrieg sind Minderheiten in der Ukraine auf der Flucht.

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Bild: dimitrisvetsikas1969/Pixabay.com

Anzhelika Bielova war vor fünf Jahren Teil der ukrainischen Minderheiten-Delegation in Deutschland. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter der Krimtataren, Griechen, Aseris und Litauer nahm sie als Roma-Aktivistin am Austauschprojekt der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und der krimtatarischen Organisation Devam teil: Building bridges between minorities, eine vom deutschen Außenministerium finanzierte Initiative.

Die Delegation aus der Ukraine traf sich im September 2017 in Berlin mit der „deutschen“ Delegation bestehend aus Sorben, Friesen, Kurden, Aleviten, Aramäern und „Deutsch-Türken“ (Eigendefinition eines Teilnehmers). Bei ihren Besuchen in Berlin, in Kiel und in Göttingen erhielt die Minderheiten-Delegation aus der Ukraine praktische Tipps zum bürgerrechtlichen Engagement.

"Unser Ziel ist es, dass die jungen Erwachsenen zu Botschaftern ihrer Minderheiten werden, bei ihren Begegnungen Erfahrungen austauschen, sich miteinander vernetzen und sich gegenseitig den Rücken stärken", beschrieb 2017 GfbV-Mitarbeiter Hanno Schedler das Brückenbauen zwischen Minderheiten in Deutschland und Ukraine.

“Unser Ziel ist es, dass die jungen Erwachsenen zu Botschaftern ihrer Minderheiten werden.”

Brückenbauerin Bielova leitet die ukrainische NGO „Association of Roma women”,  engagierte sich in den vergangenen Jahren gegen den Antiziganismus , organisierte Proteste gegen die radikale Rechte und leitet die Organisation Lacho Drome, ein Zentrum für Roma-Rechte, in der südukrainischen Stadt Zaporizhia.

Den demokratischen Aufbruch in der Ukraine versuchten nicht nur alte Seilschaften zu verhindern, Oligarchen und ihre Anhänger im russischsprachigen Donbass, sondern auch Mafiosi und Rechtsradikale. 2019 wurde Bielova von einem Unbekannten niedergestochen. Die damals 24-jährige Romni wurde offensichtlich gezielt ausgesucht. Bielovas Ehemann ist Anti-Korruptions-Aktivist.

Nach Angaben der Organisation Silence Kills, einem Zusammenschluss ukrainischer Aktivistinnen und Aktivisten, gab es immer wieder Angriffe auf Journalisten, Korruptionsbekämpfer und Aktivisten, die nicht aufgeklärt wurden.

“Es gab immer wieder Angriffe auf Journalisten, Korruptionsbekämpfer und Aktivisten, die nicht aufgeklärt wurden.”

Es gab auch immer wieder Angriffe auf Roma. Im April 2018 vertrieben Mitglieder der rechtsextremen Gruppierung "C14" 15 Roma-Familien aus ihren behelfsmäßigen Unterkünften in Lysa Hora, einem Naturschutzgebiet in der Nähe von Kyjiw. Die bewaffneten Neonazis jagten die Familien. Die Neonazis bewarfen die Flüchtenden mit Steinen und brannten die Zelte nieder.

Nicht-Roma forderten mancherorts dazu auf, ihren Roma-Nachbarn die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und den Aufenthalt in lokalen Geschäften zu verbieten. Der Verwaltung des Holosiyiv-Distrikts wurde 2018 vorgeworfen, Roma Sozialleistungen vorzuenthalten und dabei rechtsextreme Einschüchterungstaktiken anzuwenden.

"Wir erwarten, dass die ukrainische Justiz zügig und entschlossen reagiert. Die Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj muss den Schutz von Minderheiten, insbesondere der Roma gewährleisten. Zivilgesellschaftliche Akteure müssen frei und sicher arbeiten können", forderte damals Jasna Causevic für die GfbV.

“Die Regierung von Präsident Wolodymyr Selenskyj muss den Schutz von Minderheiten, insbesondere der Roma gewährleisten.”

Mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine wurden die Brücken zwischen den Minderheiten in Deutschland und in der Ukraine eingerissen. Hunderttausende sind auf der Flucht vor den russischen Soldaten, Panzern, Bomben und Raketen. Darunter sind auch viele Angehörige ethnischer und nationaler Minderheiten. Auch sie beklagen Todesopfer, bestätigt die Dachorganisation der europäischen Minderheiten, die Fuen.  Diese bittet um Solidarität mit den Minderheiten in der Ukraine.

Während die EU und das potente Deutschland den Flüchtlingsstrom mehr schlecht als recht „managen“, helfen sich die Betroffenen selbst. Bielova setzte sich drei Tage nach dem russischen Kriegsbeginn mit Оleksandra Koriak nach Budapest ab und versucht dort Hilfe zu organisieren. „Wir wollen für die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine Hilfe organisieren und für unsere Verteidiger nützlich sein”, schrieb Bielova auf Facebook.

Die engagierten Krimatataren strebten eine Autonomie für ihre Krim an. Dieser Traum wird derzeit zerschossen.

Von Budapest aus wollen Bielova und Koriak helfen, von dort aus soll die Hilfe in die Ukraine transportiert werden. Kontaktpersonen - Константин Белов Рудольф АкопянМихаил Прасол Ярослав Гришин - an der ukrainischen Grenze, so die Überlegung, übernehmen die Hilfstransporte und bringen sie auf sicheren Wegen in elf ukrainische Städte. Das war der Plan. Der Kontakt zu Bielova ist inzwischen leider abgebrochen.

Auch einer der krimtatarischen Aktivisten und Mitglied der bridges-Delegation, Serdar Seytaptiv von Devam, will die Ukraine verlassen.  Seytaptiv lebte seit der Besetzung der Krim 2014 durch russische Soldataten von seiner Familie getrennt in Kyjiw, engagierte sich in der ukrainischen Hauptstadt für die Krimtataren und für eine demokratische und unabhängige Ukraine. Zum zweiten Mal muss Seytaptiv nun vor russischen Verfolgern flüchten.

Serdar Seytaptiv war im Herbst 2018 mit einer Gruppe krimtatarischer Aktivisten in Südtirol, um die Landesautonomie kennenzulernen. Das waren eine Fortsetzung der Initiative building bridges. Die engagierten Krimatataren strebten eine Autonomie für ihre Krim an. Dieser Traum wird derzeit zerschossen.

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The Others

Geschichten und Erzählungen aus der anderen Welt

In der kanadischen Provinz British Columbia wird auf dem Gelände einer ehemaligen katholischen Internat-Schule ein Massengrab entdeckt. Indigene Kinder wurden dort vergraben. Im Amazonas-Regenwald in Brasilien töten Covid und Goldsucher indigene Menschen. In Rojava in Nord-Syrien wehren sich Kurden gemeinsam mit Arabern und Aramäern gegen türkische und syrische Islamisten. Die Sami in Skandinavien, politisch unkorrekt Lappen, halten stur an ihrer Rentierhaltung fest. Es gibt eine andere Welt hinter den globalen Glitzer-Fassaden, die sich gegen das Plattmachen sträubt, Menschen die darauf beharren, eine eigenständige Existenz zu haben.

Ihre Geschichten tauchen nicht oder nur selten in den großen Medien auf.  Über diese Menschen spricht niemand oder kaum jemand. In der Reihe „The Others“ kommen jene zu Wort, die nicht gehört werden, die keine Stimme haben.

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