Anzeige

Auftischt isch

BARFUSS hat sich das Geschäft mit Wein, Kraut, Wurscht und Keschtn genauer angeschaut. Wo törggelt man am besten und worauf kommt es an?

toerggelen_gschicht.jpg

Bild: flickr/Sandy Kirchlechner

Der Wein ist eingekellert, die Äpfel warten in den Lagerhallen darauf verkauft zu werden. Mit der Erntezeit neigt sich auch die Törggelesaison dem Ende zu. Monatelang floss der Wein in Strömen, Fleisch und Sauerkraut wurden tonnenweise an die hungrigen Massen verfüttert. Bleiben da Qualität und der eigentliche Hintergedanke auf der Strecke? Müssen sich Törggelebetriebe an gewisse Bedingungen halten und wenn ja, welche sind das? BARFUSS hat bei Behörden und Betrieben nachgefragt.

Seinen Namen hat das Törggelen von der Weinpresse, Torggl genannt. Seinen Ursprung hat die herbstliche Tradition höchstwahrscheinlich im Eisacktal, sicher jedoch in den Weingebieten Südtirols. Während man früher vor allem des neuen Weines wegen zu einer Marende zusammentraf, werden zum neuen Wein heute deftige Schalchtplatten mit Hauswürsten, geselchtem Fleisch, Rippen und Sauerkraut serviert.

Für das Törggelen an sich bedarf es keiner Lizenz. „Theoretisch kann auch ein Hotel Törggelen anbieten", erklärt Hannes Knollseisen vom Südtiroler Bauernbund. Dennoch: Mit authentischem Törggelen verbindet man auch heute noch eine Bauernstube oder eine Terrasse in den Weinbergen, hausgemachte Schlutzkrapfen, einen guten Tropfen Eigenbauwein und gebratene Kastanien.

Damit Bauern im Herbst ihre Stuben für Gäste öffnen dürfen, brauchen sie eine Buschen- oder Hofschank-Lizenz. Diese werden von den Gemeinden vergeben und haben klare Regeln: Die gastronomische Tätigkeit darf gegenüber der landwirtschaflichen nicht überwiegen, 30 Prozent der Produkte müssen am Hof angebaut oder verarbeitet werden, weitere 50 Prozent müssen von anderen landwirtschafltichen Betrieben stammen und nur 20 Prozent der Produkte sind frei (etwa Bier). Ob sich die rund hundert Buschenschenken und zweihundert Hofschenken an die Regeln halten, kontrolliert die Finanzpolizei.

Buschenschank vs. Hofschank

Das Regelwerk für den Ausschank am Hof kennt für Buschenschenken und Hofschenken wiederum unterschiedliche Bedingungen: Während ein Buschenschank innerhalb der ausgewiesenen Weinbaugebiete liegen muss und nur 180 Tage im Jahr geöffnet haben darf, kann die Hofschenke das ganze Jahr über geöffnet bleiben. Hofschenken dürfen dafür aber nicht mehr als 30 Personen Platz bieten.

Besonders bemüht um die Verbesserung der Qualität und Authentizität in Buschen- und Hofschenken ist die Marke „Roter Hahn" vom Südtiroler Bauernbund. Bereits seit 2004 erscheint unter der Marke die Broschüre „Bäuerlicher Feinschmecker". Enthalten sind 41 Betriebe, die den strengen Kritierien der Marke entsprechen und besonders authentisch sind. Zu den Herstellungsbedingungen der Produkte kommen noch Auflagen für sanitäre Anlagen, der Gestaltung von Gasträumen und dem Gesamtbild des Hofes. Bauernbundmitarbeiter machen sich von den Kandidaten für die Broschüre selbst ein Bild und entscheiden über die Aufnahme in die Broschüre. „Die meisten Bewerber scheitern an der Eigenproduktehürde. Wir schauen zum Beispiel ob der Buschenschank auch wirklich einen Acker hat", erklärt Knollseisen.

Der harten Prüfung durch den Roten Hahn standgehalten hat der Hubenbauerhof in Vahrn. Wein, Nüsse, Apfelsaft, Rindfleisch und bald auch Speck werden selbst angebaut und hergestellt. „Am Ende vom Sommer geht der Wein zur Neige. Über bleibt nicht viel. Aber dann kommt ja der neue", sagt Alexander Stolz vom Hubenbauerhof. Seit der Jungbauer selbst Bier braut, sei der Weinkonsum leicht zurückgegangen. „Davor hatten wir nicht genug Eigenbauwein", sagt Stolz. Dass die Gäste in letzter Zeit mehr Wert auf Qualität denn auf Quantität legen, hat man am Strasserhof in Neustift bemerkt. „Wir verkaufen immer mehr Flaschenweine", sagt Frau Baumgartner vom Strasserhof, auch ihr Hof hat es in den „Bäuerlichen Feinschmecker" geschafft.

Wie viel Wein, Fleisch, Kastanien und andere Törggelespezialitäten pro Saison in den Mägen der Gäste landen, ist nicht dokumentiert. Fest steht, dass es sich lohnt bei der Wahl des richtigen Lokals genauer hinzuschauen, um ein möglichst authentisches Törggeleerlebnis zu kriegen.

Magdalena Jöchler

lebt und werkelt in Wien. Sie erzählt gerne Geschichten, die hoffentlich auch gelesen werden. Nein, sie ist nicht mediengeil.
Anzeige

Hinterlasse einen Kommentar

Nicht Tiere servieren. Die Medien sollten die Menschen motivieren auf gesunde pflanzliche Produkte umzusteigen und nicht Fleisch, Wurst zeigen, denn Tiere sind nicht Nahrungsmittel.

Mehr Artikel

Bring Ordnung in die wilde Wohnung

Kann Aufräumen Spaß machen? Ja, wenn man der KonMari-Methode von Marie Kondō folgt. Aufräum-Coach Berta Pircher Margesin hat sie nach Südtirol gebracht. Eine Autorin von zebra. hat sie ausprobiert.
0    

Reicher Boden, leere Hosentaschen

Die Igbos im nigerianischen Biafra wollen nicht weg aus ihrer Heimat: Sie werden vertrieben, weil sie Christen sind.
0    
 | 
Gewalt gegen Männer

"Die Scham sitzt tief"

Häusliche Gewalt gegen Männer ist real, wenn auch in deutlich geringerem Maße als Gewalt gegen Frauen. Die Opfer fühlen sich oft allein gelassen oder gar verspottet.
0    
 | 
Interview zum Islamismus

„Wir Muslime müssen Extremisten isolieren“

Ist der Islam eine Religion des Friedens? Oder eine Ideologie der Unterdrückung? Der Islamforscher Ahmad Milad Karimi plädiert für einen differenzierten Blick.
0    
Raiffeisenverband Südtirol

Selbst ist die Frau

Geld schafft finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit. Aber wie können sich Frauen diese aufbauen?
0    
Anzeige
Anzeige