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„Auch roher Fisch war mal eklig“

Gebackene Mehlwürmer, Heuschrecken, Grillen oder Superworms: Mit seinem Imbissstand bietet Daniel Eggert Insekten in jeglicher geschmacklicher Richtung an. Kommt das an?

Daniel Eggert (c) Landhaus Superfood.jpg

Daniel Eggert

Bild: Landhaus Superfood

Daniel Eggert, 28 aus Meran, ist Mitgründer des FilmemacherKollektivs „Kiwitree Films“. Während der Pandemie widmete er sich vermehrt dem Thema Superfood und insbesondere den Insekten. Es entstand daraus das Unternehmen „Landhaus Superfood“, dem auch Koch Christoph Kröll angehört. Gemeinsam mit einer Gruppe an freiberuflichen Sprecher*innen, Eventmanagern und Servicekräften organisieren sie Verkostungen und sind mit ihrem Insekten-Imbissstand unterwegs. Im vergangenen August machte dieser auf dem Brixner Altstadtfest Station. 

Was stand beim Altstadtfest auf eurer Speisekarte?
Daniel Eggert: Auf der Speisekarte stand bei uns der Mehlwurm-Burger mit einem Patty bestehend aus einer Mehlwurm- und Kichererbsen-Mischung. Oben drauf kamen dann noch karamellisierte Zwiebeln, Krautsalat und hausgemachte Mayonnaise. Als Dessert servierten wir Mehlwurm-Muffins mit Mehlwurm-Espuma. Für die „ganz Harten“ gab es noch unseren „Fritto Misto“, also einen gemischten Teller mit ganzen gebackenen Mehlwürmern, Heuschrecken, Grillen und Superworms. Mit diesem Gericht wollten wir die geschmackliche Vielfalt unverarbeitet darstellen.

Wie schmeckt denn diese Vielfalt?
Es gibt fast 2.000 verschiedene Insekten, die essbar sind. Sie schmecken alle ziemlich unterschiedlich, es gibt eine erstaunliche Vielfalt. Einige ähneln im Geschmack geräucherten Shrimps, Pilzen oder Speck. Von nussig, über sauer bis süßlich ist alles dabei. Die Mehlwürmer etwa sind sehr knusprig und schmecken leicht nussig. Der Geschmack unserer Grillen ist schwer zu beschreiben, aber mild und meiner Meinung nach wirklich traumhaft. Man muss sie eben probiert haben! Neben Grillhähnchen und Krapfen waren eure Gerichte bestimmt eine ganz besondere Attraktion.

Aber haben die Menschen sich auch getraut, sie zu probieren?
Wir sind öfters auf Street Food Festivals und Future Food Messen vertreten, daher waren wir uns von Beginn an relativ sicher, dass eine Verkostung auch auf dem Altstadtfest funktionieren würde. Es gibt immer Leute, die eine starke Abneigung gegen Insekten als Lebensmittel empfinden und ihren Ekel nicht reflektieren und dann auch nicht überwinden können. Das hat allerdings nichts mit dem Alter zu tun. Unsere Burger kamen querbeet bei Jung und Alt gut an. Die Anzahl jener Menschen, die bereits von Insekten als Lebensmittel gehört haben und neugierig darauf sind diese zu testen, wird immer größer. Das hat man auch in Brixen gespürt. Am Ende der drei Tage waren wir komplett ausverkauft, oder besser gesagt: aufgegessen. Insekten findet man (noch) nicht im Supermarkt um die Ecke.

Auch auf dem Altstadtfest in Brixen bot Daniel Eggert seine Insektenspezialitäten an.

Bild: Landhaus Superfood

 

Woher bezieht ihr eure Würmer und Grillen in Lebensmittelqualität?
Während der Corona-Zeit haben wir damit begonnen, Insekten experimentell zu züchten und zu verarbeiten. Sobald es wieder möglich war, haben wir verschiedene Farmen im deutschsprachigen Raum besucht, um uns ein Bild von der professionellen Haltung zu machen. Bald sind wir auf die Wurmfarm von Andreas Koiz in Graz gekommen, der damals wie heute federführend im Bereich der biologischen Mehlwurmzucht ist. Seitdem beziehen wir unsere Insekten bei ihm.

Haben Insekten eine Zukunft auf dem Speiseplan der Menschen hierzulande?
Die Liste der Gründe, warum Insekten eine interessante, zukunftsfähige und nachhaltige Alternative zu anderen tierischen Produkten sind, ist lang. Wir sind vollkommen davon überzeugt, dass Insekten ein fixer Bestandteil im Speiseplan der westlichen Länder dieser Erde sein können. Mit dem immer größer werdenden Interesse der Menschen an Nachhaltigkeit und sicheren, lokalen Nahrungsmitteln ist den Insekten der Weg auf unsere Teller geebnet. Sobald der erste Schreck überwunden ist, normalisiert sich das Insekt schnell als Lebensmittel und man beginnt die positiven Aspekte wie Nährstoffgehalt, Nachhaltigkeit und Vielfältigkeit zu schätzen. Wir müssen nur überlegen: So vieles war irgendwann neu und wirkte zunächst abschreckend. Vor einigen Jahrhunderten waren den Menschen Kartoffeln und Tomaten nicht geheuer und unsere Vorgänger-Generation rümpfte bei Sushi die Nase. Heute sind diese Lebensmittel und Gerichte kaum mehr von unserem Speiseplan wegzudenken. Warum sollte das mit den Insekten anders laufen? 

Interview: Lisa Frei

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