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#Queerbeet

Nicht-queere Menschen: verbündet euch!

Menschen aus der LGBTQAI+-Community brauchen Allies. Denn ohne Verbündete von außerhalb haben es marginalisierte Gruppen noch schwerer. Ein Plädoyer für Zivilcourage.

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Bild: Meg on Unsplash

Für Menschen aus der LGBTQAI+-Community, wie mich, sind Verbündete wichtig. Sogenannte „queer Allies“ sind Personen, die offen die queere Community unterstützen, ohne Teil von ihr zu sein.

Eine dieser straigthen – also heterosexuellen und cis-geschlechtlichen – Verbündeten  ist Anna.* Die Studentin erzählt: „Ich bin – nachdem ich eine Zeit lang mit einer queeren Person befreundet war – von dieser als Ally bezeichnet worden. Hauptsächlich, weil ich mich für die Rechte der queeren Community einsetze, auch wenn mich das persönlich nicht betrifft.“

Für Anna ist dabei wichtig zu betonen, dass jede*r Ally sein kann. Man solle sich verbünden, wenn man es nicht ok findet, dass queere Leute heute noch in der Gesellschaft diskriminiert werden, und nicht nur, wenn man queere Freunde hat.

„Ich finde es besonders wichtig, dass man das nicht Allie ist, weil vielleicht eine Freundin queer ist, sondern, weil man es nicht ok findet, dass queere Leute heute noch in der Gesellschaft diskriminiert werden.“

Zum Ally werden ist nicht schwer
Was macht Allies aus? Zunächst einmal: zeigt Zivilcourage, hinterfragt queer-feindliche Sprache (etwa das Wort „schwul“ als Schimpfwort), seid offen und versucht queere Identitäten zu verstehen. Das bedeutet auch, Community-Mitgliedern mehr zu zuhören.

Das wichtigste: reflektiert eure eigene Position in der Gesellschaft und erkennt die Diskriminierungen, die queere Menschen aufgrund ihrer Identität erleben. Wer seine eigenen Privilegien erkennt, kann sich besser in die Situation von diskriminierten Personen hineinversetzen.

Dazu gehören mehrfache Diskriminierungen, die zum Beispiel eine schwarze, lesbische Frau aufgrund ihrer Hautfarbe und ihrer sexuellen Identität erlebt. Ein weißer schwuler Mann erlebt Diskriminierung aufgrund seiner sexuellen Identität, ist aber wegen seiner seiner Hautfarbe privilegiert.

Wer seine eigenen Privilegien erkennt, kann sich besser in die Situation von diskriminierten Personen hineinversetzen.

Außerdem sollten Allies ihre Vorurteile überdenken und Klischees hinterfragen. Denn sie können sehr verletzend sein. Manche Klischees und Vorurteile – wie auch Bi- und Transphobie – existieren leider auch innerhalb der queeren Community.

Die Vorstellung, dass alle Menschen hetero sind, solange nicht etwas anderes bekannt ist, sollten Allies fallen lassen. Man kann die sexuelle Identität einer Person nicht an ihrer Beziehung ablesen: Eine Frau, die mit einem Mann zusammen ist, muss nicht hetero sein; ein Mann, der mit einem anderen Mann zusammen ist, nicht homosexuell sein.

Auch Sprache kann verletzen. Allies wissen das, und bemühen sich deshalb, eine inklusive Sprache zu verwenden. Damit erzeugen sie schon sprachlich einen Raum, in dem alle Menschen sichtbar sind und sich wohlfühlen können.

Sie erinnern trans Personen nicht daran, welchem Geschlecht sie bei der Geburt zugewiesen wurden. Sie sprechen sie mit ihrem korrekten Namen an und nicht dem „Deadname“ – also dem bei der Geburt zugewiesenen (sofern sie ihren Namen gewechselt haben).

Dabei ist es nicht schlimm, einmal Fehler zu machen. Allies können daraus lernen und es beim nächsten Mal richtig machen.  Wenn du etwa versehentlich für eine Person ein falsches Pronomen oder Label angenommen hast, entschuldige dich und zeige, dass du es besser machen und dazulernen willst. Um Personen nicht mit den falschen Pronomen anzusprechen, kann man die betreffende Person einfach danach fragen.  (Darüber habe ich hier geschrieben).

Ein Ally erhält keinen Preis. Dafür aber Gleichberechtigung
„Ally“ zu sein, ist keine Auszeichnung, sondern eine Grundhaltung, eine Aktivität. Wer sich selbst als Verbündete*r sieht, sollte die oben beschriebenen Punkte beherzigen und sich für die Rechte von queeren Personen einsetzen.

Dass manchmal der Begriff „Ally“ als Titel verstanden wird, der von queeren Leuten vergeben wird, kritisiert auch Anna: „Wenn man denkt, dass man sich selbst nicht so benennen darf, sondern sich diesen Titel quasi verdienen muss, wirkt das abschreckend.“ Sie möchte auch nicht, dass das Wort „Ally“ als ein Modebegriff verwendet wird. Teilweise sei das nämlich schon der Fall.

„Es ist auch wichtig, dass Ally nicht als ein Modebegriff verwendet wird, was teilweise schon der Fall ist.“

Wir brauchen Allies, die unsere Anliegen unterstützen und die uns Sichtbarkeit geben. Ohne Cis-Hetero-Verbündete werden wir, queere Menschen, nie gleichberechtigt sein. Ohne Cis-Hetero-Verbündete, die bei queer-feindlichen Witzen und anderen Formen der Diskriminierung nicht dagegenhalten, wird das Leid von vielen queeren Personen erheblich vergrößert. Wenn wir irgendwann in einer offenen und diskriminierungsfreien Gesellschaft leben wollen, dann müssen wir gemeinsam dafür einstehen, egal ob wir selbst diskriminiert werden oder nicht.

Auch Anna stimmt zu: „Nachdem statistisch gesehen mehr Leute heterosexuell und cis-geschlechtlich sind, reicht es nicht, wenn nur die queeren Leute sich für ihre Rechte einsetzen.“ Daher, liebe cis-heterosexuelle Leser*innen: seid Allies und seid stolz darauf!

 

*Name von der Redaktion geändert

Michael Keitsch

Interessiert sich für Geschichte und Geschichten. Mag es Fragen zu stellen und Neues zu lernen.
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Unser Autor Michael Keitsch beleuchtet in dieser Kolumne die vielfältigen Seiten der queeren Lebenswelten.

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