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Bei Günther Jauch

Neues Jahr, neue Regierung. Ein Sonntagabend in Deutschlands Ersatzparlament.

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Bild: Bastih01

Eingepfercht in einem Blechcontainer. Ein Gefühl wie im Wartesaal bei easyJet. Der Sicherheitsmann tastet die Kleidung nach Kameras und Handys ab. Am Plastiktresen gibt es Bier, Sekt, Brezeln und Würstchen mit Senf. Auf den Flachbildschirmen, die von der Decke hängen, hat soeben der Tatort begonnen. Es ist Sonntagabend, das Gasometer im Berliner Ortsteil Schöneberg leuchtet blutorangenrot – güntherjauchrot. Warten auf Günther.

Die Plastiktür zum Frauenklo ist einen Spalt weit offen. Vier Schülerinnen schubsen sich vor dem Spiegel hin und her. Sie schminken sich. Maturaball-Feeling. Im Wartesaal wird es enger. Reisegruppen. Schülergruppen. Anzugträger mit Gattinnen. Gesprächsfetzen: „Scheiße, jetzt habe ich einen Senffleck auf dem Hemd.“ – „Wir müssen beim Rentensystem neue Ansätze diskutieren – ganz radikal.“ – „Gut, dass wir noch einen Parkplatz gefunden haben.“

Das Thema heute bei Jauch: Irgendwas mit GroKo, was für Große Koalition steht, Wort des Jahres 2013. GroKo? Rentensystem? Parkplätze? Egal. Darum geht es ja eigentlich gar nicht. Es geht darum, einmal den Jauch in echt zu sehen und die Politiker, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Einmal Teil dieser surrealen Talkshow-Welt zu sein. Einmal nicht zu Hause auf dem Sofa zu sitzen. Einmal mittendrin sein.

Blick zum Tatort, der ohne Ton läuft. Erkenntnis: Ohne Ton wird der Tatort auch nicht besser. Um 20.55 Uhr wird das große Tor geöffnet. Einlass ins Studio. Keine nummerierten Sitzplätze. Gedränge. Wieder dieses easyJet-Gefühl. Die Kuppel schimmert lila, das Gerüst glänzt golden. Jetzt ist man drin in dem Ding, das man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.

Ein Mann, der wichtig aussieht, stellt sich vor das Publikum. „Ich bin der, der Ihnen erklärt, wann sie klatschen dürfen“, sagt er und fügt gleich dazu: „Klatschen Sie einfach immer dann, wenn Ihnen danach ist.“ Alle klatschen. (Deutschland ist ein Volk der Klatscher. Deutsche klatschen für ihr Leben gerne.) Dann wird erklärt, dass man nicht direkt in die Kameras schauen soll, weil das dick macht und dass man sich deshalb auch nicht wundern soll, dass der Jauch in echt noch dünner aussieht. Die Schülerinnen vom Klo machen enttäuschte Gesichter. Es ist 21.25 Uhr.

Auftritt der Gäste. Jetzt sieht man sie in echt, die, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Aufritt Günther Jauch. Er witzelt ein bisschen herum. Dann ist es 21.44 Uhr. Jetzt-geht's-gleich-los-Küsschen im Publikum. Dann geht’s tatsächlich los. Es kommt das, was man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Irgendwas mit GroKo.

Lenz Koppelstätter

fühlt sich too old to young und too young to old. Außerdem lebt er in Berlin, wo er für Zeitungen und Magazine und an Buchprojekten arbeitet.
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865 Kilometer

Rund 865 Kilometer sind es von Bozen nach Berlin. Lenz Koppelstätter, Südtiroler in Deutschlands Hauptstadt, geht dorthin, wo was los ist und schreibt dort davon, was kurios ist. Kurz: Er berichtet über den ganz normalen Wahnsinn der Großstadt.

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