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Buch über Betroffene von sexuellem Missbrauch

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In einem Buch erzählen Betroffene über ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch und brechen damit mit ihrem Schweigen. In einfühlsam geführten Gesprächen mit der Psychotherapeutin Veronika Oberbichler erzählen insgesamt acht Betroffene von ihren Erlebnissen, wie es zum Missbrauch kam und wie sie meist auf Unverständnis stießen, sobald sie sich jemanden anvertrauten. Aber sie berichten auch von ihrer Aufarbeitung und einem gelungenen Leben danach.

„Ich will nicht, dass irgendeinem Kind in Südtirol, Mädchen oder Junge, Ähnliches widerfährt“, erklärt Valentina ihre Motivation. Sie ist neben Elena, Markus, Barbara, Verena und Peter, Lisa, Anna sowie Silvia eine der Betroffenen, die nicht länger „Opfer“ sein wollen. „Es ist wichtig, dass man handlungsfähig bleibt. Ich möchte es am liebsten in die Welt hinausschreien: Wir sind unschuldige Wesen, denen viel Schmerz zugefügt wurde“, sagt Barbara.

Dass das Sprechen über die Missbrauchserfahrung selbst heute noch schwerfällt, zeigt sich darin, dass alle Betroffenen im Buch anonym über ihr Leben berichten. Alle Namen, Orte, Berufe und anderen personenbezogenen Angaben werden verändert wiedergegeben. Ein erlittener Missbrauch wird nach wie vor als Makel erlebt. Dies muss sich ändern, ist der Initiator des Buches Georg Lembergh überzeugt. Nachdem er von einem Missbrauch in seinem Heimatdorf erfahren hat, hat der Fotograf und Dokumentarfilmer einen Aufruf für Betroffene in Südtiroler Medien gestartet. Daraufhin haben sich 50 Personen aus dem gesamten Land und aus allen Sprachgruppen gemeldet, die über ihren Missbrauch offen zu sprechen bereit waren. Die von Lembergh für das Buch angefertigten Schwarzweiß-Fotografien der Betroffenen wahren mit unterschiedlichen Tiefenschärfen deren Anonymität und ermöglichen dadurch, dass die Porträtierten ihren Schmerz und ihre Befreiung zum Ausdruck bringen können.

„Wir brechen das Schweigen“ blickt in die Zukunft. Der Rückblick auf das Überstandene ist für die Betroffenen wichtig, um endlich ihre Geschichte erzählen zu können. Dem Umfeld und der gesamten Gesellschaft helfen sie damit, Abläufe und Situationen besser einschätzen zu können. Ansonsten richtet sich der Blick des Buches nach vorne: Wie geht man damit um, als Kind sexuell missbraucht worden zu sein? Wie lebt man mit dem Unaussprechlichen, das niemand hören will? Wie kann man Worte finden, um das Schweigen zu brechen? Veronika Oberbichler liefert zu diesen und anderen Fragen leicht verständliche Fachtexte, die Missverständnisse aufklären und Klarheit schaffen.

Das Buch:
Veronika Oberbichler, Georg Lembergh
Wir brechen das Schweigen
Betroffene sprechen über sexuellen Missbrauch

Bild: Edition Raetia

 

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