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Multikulturalität – eine Herausforderung für Hebammen

Die Begleitung von Migrantinnen stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Berufskammer der Südtiroler Hebammen, die anlässlich des Internationalen Tages der Hebammen am 5. Mai auf Schloss Maretsch stattfand.

Bei Migrantinnen kommt es häufiger zu Komplikationen in der Schwangerschaft und Geburt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Migrantinnen haben weniger Zugang zu wichtigen Informationen,
weniger Kenntnisse über öffentliche Einrichtungen, nehmen weniger Untersuchungen in Anspruch. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Hebammen und andere professionelle Kräfte in der Geburtshilfe sich um Kommunikation und vor allem um gute Beziehungen bemühen, denn nur wenn es Vertrauen gibt, öffnen sich die Frauen und erzählen von ihren wirklichen Bedürfnissen und Sorgen. „Oft funktioniert die Kommunikation mit einer Mediatorin besser als mit den begleitenden Ehemännern“, berichten die Hebammen beim gemeinsamen Austausch am 5. Mai auf Schloß
Maretsch.


21 % der betreuten Frauen in Südtirol sind Migrantinnen, „Am Krankenhaus Bozen sind es sogar 35%“, sagt Gynäkologin Christa Schrettenbrunner, „in Zukunft werden wir vielleicht bereits in der
Ausbildung die Hebammen auf multikulturelle Kommunikation und Ethik vorbereiten müssen.“

Ilaria Gazzetta präsentierte ihre Diplomarbeit, die sich mit der Rolle der Hebamme bei Frauen mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt hat: die Einsamkeit dieser Frauen ist groß, deswegen
braucht es nicht nur guten nährenden Kontakt zwischen Migrantinnen und dem Fachpersonal, sondern auch die Möglichkeit der Vernetzung mit anderen Frauen. Das Projekt „Family Support“ könnte z.B. Migrantinnen Unterstützung bieten, besser integriert zu werden, durch die Begleitung von sog. Patinnen für die jungen Familien.


Hebamme Gaia Mureda betonte, dass die gemeinsame Grundlage des Verstehens immer das „Frausein“ ist: sie bietet Kurse zu Frauengesundheit, Sexualität und Verhütung in verschiedenen
Einrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften, Frauenhäusern oder Schulen an. „Der wichtigste Schritt von unserer Seite für eine gute Beziehung ist das Ablegen der Vorurteile, das ist genauso wichtig wie das Nachfragen: wie ist das in deiner Kultur? Was brauchst du jetzt in dieser Situation? Es geht um menschliche Begegnungen, auch wenn wir professionelle Hilfe anbieten.“

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