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Lehren aus dem Water-Light-Festival

Dieses Wochenende ging in Brixen das Water-Light-Festival zu Ende. Die Stellungnahme des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz wird an dieser Stelle vollinhaltlich veröffentlicht.

Die Kunst-Veranstaltung in Brixen sorgte auch deshalb für Schlagzeilen, weil jeden Abend blaues Licht in den Himmel gestrahlt wurde; der Leuchtstrahl war kilometerweit zu sehen. Mit bedenklichen Folgen: Zugvögel, die um diese Jahreszeit durch Südtirol fliegen, können durch das Licht abgelenkt werden. Projektionsscheinwerfer sind nicht umsonst durch Landesgesetz verboten. „Wir begrüßen, dass die Gemeinde Brixen die Einwände von zahlreichen Umweltorganisationen sowie einer breiten Allianz von Bürger*innen schließlich ernst genommen und die Lichtinstallation auf eine Stunde reduziert hat“, so Josef Oberhofer, Vorsitzender der größten Südtiroler Umweltorganisation.
 
Aus der gesellschaftlichen Debatte um das Water-Light-Festival, die weit über Brixen hinausgestrahlt hat, leitet der Dachverband für Natur- und Umweltschutz aber auch einen klaren Auftrag an die Politik ab: Die nächtliche Beleuchtung von Gebäuden und öffentlichen Räumen ist mehr als nur eine Frage der Verschwendung kostbarer Energie. Lichtverschmutzung betrifft die Gesundheit der Menschen und die Artenvielfalt. Die neue Richtlinie zur Einschränkung der Lichtverschmutzung und zur Energieeinsparung – Landeshauptmann Arno Kompatscher und Umweltlandesrat Giuliano Vettorato arbeiten zurzeit daran – muss also dem Südtiroler Klimaplan entsprechen und zugleich die Natur schützen. Dazu zählen das Verbot von Lichtinszenierungen außerhalb des Siedlungsraumes während der Vogelflugzeiten, die Beleuchtung von Bäumen und anderen Naturdenkmälern oder das Ausleuchten von Fledermausquartieren. Ein Beispiel: Fledermäuse fliegen in der Dämmerung aus, zu einer Zeit, in der sie das größte Nahrungsangebot finden. In Südtirol finden sich viele Fledermauskolonien in Kirchen. Werden diese aber beleuchtet, laufen die Tiere, Gefahr die beste Jagdzeit zu versäumen, womit der Nachwuchs mitunter zu wenig Nahrung bekommt. Das ist nicht nebensächlich, da Fledermäuse zu den gefährdeten Tierarten zählen. Es gilt hier einen sinnvollen Mittelweg zwischen Naturschutz und eines angepassten In-Szene-Setzen unserer Kulturgüter zu finden. „Die Debatte der letzten Wochen um die Energieverschwendung und Lichtverschmutzung zeigt auch, dass Südtirol dringend eine ganzjährige Überwachung der Lichtemissionen braucht“, so Madeleine Rohrer Geschäftsführerin des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz. Aufgrund von Satellitendaten sei die Vermutung naheliegend, dass die Lichtverschmutzung in Südtirol um circa zwei Prozent pro Jahr zunimmt – trotz effizienterer öffentlicher Beleuchtung.
 
Der Dachverband für Natur- und Umweltschutz setzt darauf, dass die Erfahrungen der letzten Wochen und die damit verknüpften Debatten zu einem Umdenken in Bezug auf die Lichtemissionen führen. Er ist zuversichtlich, dass ähnlich wie die Gemeinde Brixen auch die Landesregierung in der Frage der Lichtverschmutzung zu einer guten Entscheidung kommen wird. „Der Schutz von Natur und Lebewesen vor künstlicher Beleuchtung sollte mit der neuen Richtlinie zeitgemäßer geregelt werden, sodass die wichtigen Aspekte von Energieeinsparung und Umweltschutz in Zukunft berücksichtigt werden“, so Oberhofer und Rohrer.

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