Stylishe Rebellen

Das Modelabel Re-Bello aus Leifers verknüpft coolen Lifestyle mit Nachhaltigkeit – und hat damit bereits seit drei Jahren Erfolg.

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Bild: Oliver Kainz
In Leifers bewahrheitet sich ein Mythos. Es ist der Mythos, dass Start-Up-Unternehmen klein im Hinterhof anfangen, leidenschaftlich ihre Idee vorantreiben und oft den unkonventionellen Weg einschlagen. Das Modelabel Re-Bello ist so ein Unternehmen. Das Papier der Visitenkarten stammt aus umweltverträglichem Elefantenkot und am Feierabend toben sich die Mitarbeiter beim gemeinsamen Fitnesstraining auf dem Firmenparkplatz aus, um den Teamgeist zu stärken. Das Label will rebellisch, trendig und nachhaltig sein und eine Gegenbewegung im Textilsektor initiieren. „Die Textilindustrie ist meist durch eine hohe Umweltverschmutzung und schlechte Materialien gekennzeichnet“, sagt Re-Bello-Gründer Daniel Tocca. Außerdem leiden viele Arbeiter in fernen Ländern wie Bangladesch unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Re-Bello hingegen verschmutze bei Textilfärbungen kein Wasser und garantiere den Arbeitern in den italienischen, griechischen und türkischen Produktionsstätten eine faire Behandlung. 
 
Bambus vs. Baumwolle
 
Darüber hinaus setzt das Unternehmen auf Materialien wie Bambus und Eukalyptus. Das Besondere daran: Bambus wächst viel schneller nach als Baumwolle, verbraucht sehr wenig Wasser und kommt ohne Dünger und Pestizideinsatz aus. Merkt der Konsument beim Tragen von Re-Bello-Kleidungsstücken einen Unterschied? „Ja, unsere Kleider sind nicht nur atmungsaktiver, sondern fühlen sich auf der Haut auch geschmeidiger an als herkömmliche Materialien“, unterstreicht Tocca. Für die hohe Qualität muss der Käufer aber auch etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Ein normales T-Shirt kostet zwischen 35 und 40 Euro, Strickjacken gehen ab 69 Euro über den Ladentisch. Die etwas teureren Preise tun der hohen Nachfrage keinen Abbruch. Die Kunden schätzen das lässige Design und den jugendlichen Spirit des Labels. „Öko allein reicht nicht. Die Kleider müssen auch schön sein, um verkauft zu werden“, sagt Tocca. So lässt sich auch die Wortschöpfung des Firmennamens „Re-Bello“ erklären: Das Jungunternehmen rebelliert gegen die Mainstream-Textilindustrie und beweist, dass nachhaltige Mode auch stylish sein kann. 
 
Weltenbummler und Netzwerker 
 
Daniel Tocca ist ein Weltenbummler. Nach dem Wirtschaftsstudium in Verona absolvierte er Erasmus-Aufenthalte in Spanien und Finnland. Anschließend besuchte er die Talentschmiede school of management in Rotterdam und arbeitete ein Jahr lang beim Software-Riesen IBM. Ursprünglich wollte Tocca in den Biolebensmittelbereich einsteigen. Aber schon während seines Studiums merkte er, dass dieser Markt mit seinen vielen Produkten beinahe ausgereizt ist. Nachhaltige Mode habe dagegen noch ein enormes Wachstumspotential. Der Ökomarkt soll in der Modebranche auf einen Anteil von 15 Prozent ansteigen. Momentan liege er bei einem Prozent. Also kehrte Tocca im Jahr 2010 nach Südtirol zurück und gründete mit Hilfe seiner Jugendfreunde Emanuele Bacchin und Daniel Sperandio das Modelabel Re-Bello.
 
Rasend schnelle Expansion
 
Zu Beginn konzentrierte sich das Unternehmen hauptsächlich auf T-Shirts, doch mittlerweile sind auch Hosen, Kapuzenpullis und Sweater feste Bestandteile des Sortiments. Re-Bello vervierfachte seinen Umsatz in kürzester Zeit und beliefert nun 30 Verkaufsstellen in Südtirol und mehr als 250 Shops in Deutschland, Italien, Österreich und den Niederlanden. Tocca knüpfte schon früh die richtigen Kontakte, die bei der Expansion des Unternehmens hilfreich waren. Der 28-Jährige ist ein guter Netzwerker und hat den richtigen Riecher für Märkte mit hohen Wachstumsraten. „Nordeuropa ist beim Thema Nachhaltigkeit sensibel und deshalb ein wichtiger Markt für Ökomode“, verrät er. Das siebenköpfige Re-Bello-Team will weiter wachsen, treibt seine Expansion aber nicht um jeden Preis voran. „Wir passen nicht zu Diesel oder Armani ins Regal. Deshalb findet man unsere Kleider nur in Kaufhäusern und Boutiquen, die unsere Botschaft glaubhaft vermitteln können“, so Tocca. Das Jungunternehmen hat ohne Zweifel Lust auf mehr. Auf die Frage, wo Re-Bello in zehn Jahren steht, antwortet Tocca selbstbewusst: „Wir wollen weltweit die Nummer eins im Bereich Öko-Fashion sein.“
 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.

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