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Liebe Mutti ...

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai wird Muttertag gefeiert. Erfunden wurde er aber nicht vom Handel oder von den Nazis. Dahinter stecken Frauenrechtler.

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Bild: morgueFile, imagina

Kleine Kinder beglücken mit Selbstgebasteltem und Gedichten, große Kinder mit Blumen und Schokolade. Es ist Muttertag. Der Tag, an dem die Mutti besonders geliebt, geherzt und gedrückt wird. Das könnte man natürlich auch an jedem anderen Tag im Jahr, aber es gibt nun Mal diesen institutionalisierten Tag, also wird er auch genutzt. Das freut nicht nur die Mamis, sondern auch den Einzelhandel. Denn neben einem feuchten Händedruck und einem Kuss auf die Wange, bekommt Mutti auch meistens etwas Süßes oder Blumiges in die Hand gedrückt. Erfunden hat den Muttertag dennoch nicht der profitorientierte Handel, sondern die US-amerikanische Frauenbewegung.

Mehr Rechte für Frauen

Julia Ward Howe forderte bereits 1872, den Müttern einen Tag im Jahr zu widmen. Passiert ist nichts. Erst mehr als 30 Jahre später bekam die Idee neuen Aufschwung: Anna Marie Jarvis, ebenfalls amerikanische Frauenrechtlerin, setzte sich für die Einführung eines Feiertags zu Ehren der Mütter ein. Dafür wählte sie den Todestag ihrer eigenen Mutter, den 9. Mai. Mit diesem Feiertag wollte sie auch mehr Rechte für Frauen durchsetzen. Am 8. Mai 1914 war es schließlich so weit: Der zweite Sonntag im Mai wurde in den USA offiziell zum Muttertag und nationalen Feiertag ausgerufen. Die Muttertagsbewegung breitete sich immer weiter aus und entwickelte sich mehr und mehr zu einem Fest der Geschenke. Viele Unternehmer witterten das große Geschäft. Für Anna Jarvis eine enttäuschende Entwicklung. Die eigentliche Botschaft ging ihrer Meinung nach verloren. Sie zog sogar vor Gericht, um den Muttertag verbieten zu lassen – wenig erfolgreich.

Seit 1957 in Italien

In Deutschland wurde der Muttertag tatsächlich vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber verbreitet und 1923 offiziell eingeführt. Allerdings nicht von Adolf Hitler, wie oft behauptet wird, aber er hat den Tag für seine Progaganda missbraucht und ließ den Muttertag in den "Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter" umbenennen. In Italien wurde die „festa della Mamma“ 1957 eingeführt, von Don Otello Migliosi, dem Pfarrer des kleines Dorfes Tordinetto, einem Stadtteil von Assisi. Heute gibt es den Muttertag in den meisten Ländern der Welt, allerdings wird er nicht überall am gleichen Tag gefeiert.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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