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Neues Flughafenkonzept

Flug ins Ungewisse

Die Landesregierung will dem Bozner Flughafen neues Leben einhauchen. Während die Wirtschaft hofft, bleiben die Umweltschützer skeptisch.

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Bild: BLS/Florian Mohn

Die Geschichte des Flughafens in Bozen war bisher eine Abfolge von Pleiten und Pannen. Die Fluggesellschaften brachen trotz der finanziellen Unterstützung des Landes die Dienstverträge oder gingen insolvent. Egal ob mit Air Alps, Tyrolean Air oder Darwin Air –  die Strecke Bozen-Rom konnte über die Jahre mehr schlecht als recht angeflogen werden. Dadurch blieben auch die Passagierzahlen hinter den Erwartungen zurück. Unzählige Gerichtsverfahren und missglückte Mediationen führten dazu, dass der Flughafen seine Tore zwar nicht endgültig schloss, aber auch nie richtig funktionierte.

Nun versucht die Landesregierung mit einem neuen Konzept den Bozner Flughafen auf eine sinnvolle wirtschaftliche Basis zu stellen. Eine Expertengruppe lotet dazu die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit dem Flughafen Innsbruck aus. Auf Anfrage von BARFUSS geben sich Landeshauptmann Kompatscher und Mobilitätslandesrat Mussner aber noch zugeknöpft, wie das neue Flughafen-Konzept konkret aussehen soll. Das Konzept werde derzeit ausgearbeitet und in nächster Zeit der Öffentlichkeit vorgestellt, heißt es aus dem Büro des Landeshauptmannes.  Welche Destinationen fliegt Bozen in Zukunft an? Wird die Landebahn verlängert? Findet eine Volksabstimmung über den Flughafen statt? Darüber gibt die Landesregierung noch keine Auskunft. 

Die Frage der Notwendigkeit

Nichtsdestotrotz bringen sich die Wirtschaftsverbände als Flughafen-Befürworter mit dem altbekannten Mantra in Stellung: Südtirols Wirtschaft muss wettbewerbsfähig bleiben. Ein entscheidender Wettbewerbsfaktor ist die Erreichbarkeit. Und die ist eben nur mit einem funktionierenden Flughafen in Bozen gewährleistet. Das gilt für Exportunternehmen ebenso wie für den Tourismus. Die Hoteliers träumen von Gästen, die aus allen Herren Ländern in Bozen landen, damit ihre Betten immer voll sind. Sie wünschen sich einen funktionierenden Flughafen, damit sie nicht ausschließlich vom deutschen und italienischen Gast abhängig sind. „Der Flughafen Innsbruck ist als alleinige Destination für Südtirol nicht sinnvoll”, sagt der Präsident des Südtiroler Wirtschaftsrings (SWR) Philipp Moser, „denn wenn die Gäste in Innsbruck landen, dann bleiben sie auch dort.” Andreas Riedl, Geschäftsführer des Dachverbands für Natur- und Umweltschutz, stellt diese Argumentation grundsätzlich in Frage: „Brauchen wir noch mehr Touristen oder brauchen wir eine andere Qualität der Touristen?“

Die Kosten

Riedl glaubt auch, dass der Bozner Flugplatz aufgrund seines Standorts und des kleinen Einzugsgebietes nie funktionieren könne. Alle Flughafen-Pläne seien bisher grandios gescheitert. Deshalb verspricht er sich auch vom neuen Konzept der Landesregierung nichts. Hinzu kommt, dass der Flugplatz dem Südtiroler Steuerzahler seit seiner Erweiterung im Jahr 1999 um die 100 Millionen Euro gekostet hat. „Die alten Zahlen hervorkramen, bringt uns nicht wirklich weiter“, entgegnet Philipp Moser. Auch andere öffentliche Verkehrsmittel verursachen jährliche Kosten. Für die Eisenbahn fallen 50 Millionen Euro an, für den Busbetrieb 80 Millionen und für den Flughafen knapp 5,8 Millionen.

Der Vergleich hinkt, sagen die Flughafen-Gegner, denn im Gegensatz zum Flughafen nutzen Gäste und Einheimische den Bus und die Bahn auch viel häufiger. Philipp Moser lässt diesen Einwand nicht gelten: „Wenn garantierte Flugverbindungen, ansprechende Destinationen und eine interessante Preisgestaltung sichergestellt werden, dann nutzen die Südtiroler und unsere Gäste auch den Flughafen in Bozen“, so der SWR-Präsident. Rom als alleinige Destination rechne sich langfristig allerdings nicht. „Ich könnte mir eine zusätzliche Anbindung an einen größeren Flughafen – wie Berlin, Hamburg oder Wien vorstellen, von welchem dann auch weitere Destinationen angeflogen werden können“, unterstreicht Moser.

Der Umweltaspekt

Ein weiterer Gesichtspunkt in der Debatte ist der Umweltaspekt. Wenn der Flugplatz Bozen geschlossen wird, dann droht eine Umwandlung in einen reinen staatlichen Militärflughafen. Das bedeutet wiederum mehr Sport- und Militärflüge und somit eine größere Umweltbelastung – argumentieren die Flughafen-Befürworter. „Dafür fehlt jeglicher Beleg“, wiegelt Andreas Riedl ab. Momentan fahren die meisten Südtiroler ohnehin nach Innsbruck, München oder Verona und steigen dort in den Flieger. Ist der Umwelt damit mehr geholfen?

Ja, sagt Andreas Riedl. „Die Auslastung der Flughafen-Zubringer ist besser als die Auslastung der Rom-Flüge. Von Bozen wird man neben Rom maximal ein oder zwei weitere Destinationen anfliegen. Der Südtiroler wird also nur in den seltensten Fällen direkt von Bozen ans Ziel fliegen. Kann man diesen Zubringerflug vermeiden und idealerweise mit Bus oder Bahn zum international angebundenen Flughafen anreisen“, so Riedl, „ist das sicherlich umweltschonender.“

Demnächst will Landeshauptmann Kompatscher sein Flughafen-Konzept der Öffentlichkeit vorstellen. Man darf gespannt sein, ob es ihm gelingt, die Argumente der Flughafen-Gegner zu entkräften. 

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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