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Die Reise nach Jerusalem

Vier Stühle, zehn Schauspieler und eine Metallverarbeitungshalle, ergeben ein ausgefallenes Schauspiel. Die Idee dazu hatten drei junge Theaterfans.

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Bild: Rainhard Sonnenberg Seminar
Ein Baugerüst und vier Stühle. Mehr steht nicht auf der provisorisch anmutenden Bühne. Sie besteht aus übereinander gestapelten Palletten und einem großen Brett darauf. Aufgebaut wurde die ganze Konstruktion in der Werkhalle der Firma „Metall Ritten“ – für das unkonventionelle Theater "Reise nach Jerusalem". Dahinter steckt das Rainhard Sonnenberg Seminar.
 
Es ist eine Theatergruppe, gegründet von den drei Rittnern Thomas Ploner, Hannes Rabensteiner und Manuel Schweigkofler. Die 28-Jährigen stehen schon seit Jahren als Laiendarsteller auf der Bühne und sind Mitglied bei der „Theaterkiste Lengmoos“. Anfang dieses Jahres wollten sie aber etwas Neues ausprobieren, etwas Unkonventionelles, nicht mehr nur das übliche Bauerntheater. 
 
Also riefen sie das Rainhard Sonnenberg Seminar ins Leben. Ein seltsamer Name für eine Theatergruppe. „Der Name entstand bei ein paar Gläsern Bier“, sagt Thomas Ploner. Rainhard und Seminar seien vom „Max Reinhardt Seminar“ abgeleitet, einer bekannten Schauspielschule in Wien. Und Sonnenberg? „Das kommt vom Ritten, der Sonnenberg, da wo wir herkommen“, erklärt der 28-Jährige. 
 
„Reise nach Jerusalem“ ist ihr erstes Projekt dieser Art. Dafür bekamen die drei Rittner, bisher noch die einzigen Mitglieder des Seminars, Unterstützung von der „Theaterkiste“ und von Freunden. Auf der Bühne stehen immerhin zehn Schauspieler. Vergangenen Samstag wurde es in Südtirol uraufgeführt. 200 Zuschauer waren mit dabei. Es war nicht komplett ausverkauft, sei aber gut angekommen, sagt Ploner. „Der Applaus war lang, das ist ein gutes Zeichen."
 
Ein tiefsinniges Stück
 
Es ist ein vielschichtiges, tiefsinniges und ungewöhnliches Stück. Die vier Stühle werden von vier ganz unterschiedlichen Charakteren besetzt, die an einem Experiment teilnehmen. Dabei werden sie von Professoren beobachtet, die vom Gerüst auf sie herabblicken. „Es geht um die Fragen des Lebens, die wir uns alle immer wieder stellen“, sagt Ploner. Die Frage nach dem Sinn und nach dem Platz in der Gesellschaft und die Suche nach sich selbst. Es sei eine Überraschung für die Zuschauer, wohin die Reise führe und was Jerusalem für jeden Einzelnen bedeuten könne. 
 
Autorin des Stücks ist die Pustertalerin Brigitte Knapp. Sie schrieb es nach ihrer Theaterausbildung, als sie nicht so recht wusste, wohin im Leben. Für „Reise nach Jerusalem“ setzte sich die Schauspielerin und Schriftstellerin erstmals auch auf den Regiestuhl. „Ursprünglich wollte sie gar nicht Regie führen“, sagt Thomas Ploner. „Aber wir haben ihr unsere Idee von einem unkonventionellen Theater erklärt, das hat sie überzeugt.“ 
 
Überzeugt hat es wohl auch das Publikum. Viele habe es zum Nachdenken gebracht, so Ploner. Sie wollten das Rainhard Sonnenberg Seminar auf jeden Fall weiterführen. Bisher ist es noch kein offizieller Theaterverein, das könnte aber folgen. Zunächst brauchen die drei Rittner allerdings Verstärkung: „Wir würden unser Seminar gerne vergrößern. Jeder, der mitmachen will, ist herzlich willkommen“, so Ploner. Denn ein solches Theaterstück zu organisieren, sei zu aufwendig für drei Leute, die das nur nebenbei machen. 
 
 
Info:
Nächste Aufführung: Samstag, 1. Juni, 20.30 Uhr in der Handwerkerzone in Klobenstein.
Kartenreservierung rainhardsonnenbergseminar@gmail.com oder unter  0471 356100
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Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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