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Das grüne Rockfestival

Es war das erste „green event“ Südtirols und wurde heuer mit dem „Cultura socialis Preis" ausgezeichnet – das Festival Rock in dusty valley.
Am Freitag ist es soweit, dann heißt es wieder Rock in dusty valley. Bereits zum siebten Mal organisiert der Jugendtreff Hondenada das zweitägige Festival im Sarntal. Anerkannt als „green event“ und ausgezeichnet mit dem Siegel „Feiern mit Niveau“ vom Forum Prävention, ist es das etwas andere Open-Air. Für diesen Einsatz wurden die vielen freiwilligen Helfer heuer mit dem „Cultura socialis Preis“ geehert, denn „feiern isch net lei konsumieren und Geld kassieren“, heißt es in der Begründung der Jury.
Der Präsident des Jugendtreffs Hondenada, Michael Torggler, erzählt, was „Rock in dusty valley“ anders macht, als andere Festivals. 
 
Ihr wurdet heuer mit dem „Cultura socialis Preis“ in der Kategorie „Freiwillige“ ausgezeichnet. Warum?
Das war ziemlich cool: Wir haben irgendwann einen Anruf bekommen und es hat geheißen, dass wir für den Preis vorgeschlagen wurden und unter die ersten drei gekommen sind. Cultura socialis hat dann ein Video über uns und das Festival gemacht. Als wir bei der Preisverleihung waren, haben wir total überraschend gewonnen. Wir wollten uns danach erkundigen, wer uns für den Preis vorgeschlagen hat, aber das ist anonym. Wir wissen bis heute nicht, wem wir das zu verdanken haben. Ausgezeichnet wurden sozusagen die mehr als 100 freiwilligen Helfer, die wir haben. Am besten habe der Jury gefallen, dass wir den Begriff Nachhaltigkeit konkret umgesetzt haben. 
 
Euer Festival ist seit vergangenem Jahr ein „green event“. Was heißt das?
Wir haben immer schon versucht, Müll zu vermeiden und zu recyceln. Vergangenes Jahr hat Judith Kienzl, eine der Hauptorganisatoren, sich mit dem Ökoinstitut zusammengeschlossen. Gemeinsam haben sie Statuten ausgearbeitet für das „green event“. Das wichtigste ist, Müll zu vermeiden. Zum Beispiel bei Flyern: Was nicht gebraucht wird, wird nicht gedruckt, auch wenn es billiger wird je mehr man drucken lässt. Wichtig ist auch die Mülltrennung. Wir haben zum Beispiel Tonnen organisiert, die wir überall aufstellen, um es den Besuchern so leicht wie möglich zu machen. Dann haben wir die Pfandbecher, wie viele andere Festivals. Unsere T-Shirts sind alle Fair-Trade. Es geht aber auch um regionale Produkte beim Essen: Wir haben das Fleisch von lokalen Bauern und wir haben Marillenknödel von einem Bauer aus der Nähe. 
 
Wie kommt das bei den Festivalbesuchern an?
Super. Wir hatten im vorigen Jahr ein schönes Erlebnis, das war ein Zeichen für uns. Als wir die vielen Mülltonnen aufgestellt haben, hat uns auf dem Zeltplatz eine Tonne für Glas gefehlt, aber es war schon zu spät um noch was zu organisieren. Als wir dann beim Aufräumen waren, stand da plötzlich ein Container. Jemand hat den also gebracht und einfach dazugestellt.
 
Ihr seit die Vorreiter des „green event“ in Südtirol, mittlerweile gibt es Nachahmer. 
Es ist schon von uns gewollt, dass so viele Veranstalter wie möglich mitmachen. Hofer's Rock war heuer auch erstmals ein „green event“, die Organisatoren haben sich vorher mit uns in Verbindungs gesetzt. Ansonsten können sich Interessierte auch an das Ökoinstitut wenden.  
 
Wie ist Rock in dusty valley entstanden?
Entstanden ist es eigentlich als Geburtstagsfeier für das fünfjährige Bestehen des Jugendtreffs Hondenada. Wir haben gesehen, dass im Sarntal wenig bis gar nichts für die alternative Rockszene und für Jugendliche gemacht wird, also haben wir gedacht, wir organisieren etwas. Das war damals im September, es war kalt, es hat geregnet und wir haben Glühwein aufgeschenkt. Von Jahr zu Jahr sind größere Bands gekommen und es wurde immer professioneller organisiert. 
 
Ihr seid nicht nur ein „green Event“, sondern habt auch das Siegel „Feiern mit Niveau“ vom Forum Prävention bekommen. 
Das Siegel haben wir seit, glaub ich, vier Jahren. Wobei wir aber die Regeln eigentlich immer schon eingehalten haben. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir keine Superalkoholika aufschenken möchten. Und dass die analkoholischen Getränke billiger sind als die alkoholischen. Wir haben zum Beispiel auch gratis Trinkwasser und alkoholfreie Cocktails.
 
Wie passen alkoholfreie Cocktails zu einem Rockfestival?
Ich glaube die Szene entwickelt sich immer weiter (lacht). Wir haben viele Leute, die das probieren.  Wir hatten zuerst die Trendy Bar, wo es nicht so gut funktioniert hat. Mittlerweile machen wir es selber und hinter der Cocktailbar sind die Jugendlichen selbst, zu denen die meisten einen Bezug haben, weil sie sie kennen. Das ist glaube ich sehr wichtig. 
 
Sind die Kosten für ein „grünes“ Festival höher?
Also die Fair-Trade T-Shirts kosten relativ mehr, auch teilweise die regionalen Produkte. Es sind schon höhere Kosten, zwischen einem Drittel mehr und doppelt so viel muss man einrechnen. Heuer haben wir, weil wir den „Cultura socialis Preis“ gewonnen haben, von der Gemeinde eine kleine Spende bekommen. 
 
Die Einnahmen spendet ihr für einen guten Zweck. Was wird das heuer sein?
Genau, einen Teil der Einnahmen spenden wir immer. Letztes Jahr waren das 2.000 Euro. Wir geben es immer der Organisation „Helfen ohne Grenzen“ für verschiedene Projekte. Welches genau das heuer sein wird, wissen wir noch nicht, aber wir schauen immer Jugendprojekte zu unterstützen. 
 
Mehr Infos:

Rock in dusty valley

Das Festival Rock in dusty valley gewann den diesjährigen „Cultura socialis Preis“. Am Wochenende wird es bereits zum siebten Mal organisiert.

Judith Dietl

arbeitete eine Zeit lang im hohen Norden, jetzt BARFUSS-Redakteurin der ersten Stunde. Ist lieber barfuß unterwegs, weil lässt sich ungern einengen.
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