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The Others

Bilder jenseits des Klischees

Paul Seesequasis geht mit seinen fotografischen Porträts von indigenen Gemeinschaften der Frage indigener Identität nach.

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Bild: Boston Public Library

Keine Folklore-Bilder, fake pictures, keine romantisierende „Indianer“-Fotos bietet Paul Seesequasis in seinem Buch „Unter der Mitternachtssonne“. Es sind Bilder von Angehörigen der First Nations und der Inuit in ihrem Alltag. In seinen Erläuterungen dampft Seesequasis den Mythos der Naturverbundenheit und Unberührtheit ordentlich ein, schreibt Andreas Platthaus in der FAZ. Seesequasis erzählt von der staatlich verordneten Alphabetisierung, den damit verbundenen Familientrennungen und vom Verlust des traditionellen Wissens und der traditionellen Lebensweise.

„Was uns ein Foto sagt, hängt davon ab, auf welche Weise wir uns ihm nähern,“ schreibt Seesequasis. „Erleben wir eine Wiederbegegnung mit nahen oder fernen Angehörigen oder unserem eigenen früheren Leben? Und auch unser individueller Zugang zur Indigenität – ein aus den Begriffen indigen und Identität zusammengesetztes Kofferwort – offenbart sich in dem durch das Bild gesteckten Rahmen.“

„Aber was bedeutet indigene Identität? Wer definiert das? Eine Regierung, eine Gruppe Leute, ein Einzelner, der Ahnung davon hat?“ fragt der You-Tuber Tlakatekatl. Die Fotos in diesem Buch sind indigen, „sie stellen Angehörige der First Nations, der Metis – Menschen mit indianischen und zugleich europäischen Vorfahren; Metis ist das französische Wort für Mestize – und der Inuit darstellen,“ schreibt Paul Seesequasis.

“Ich will historische Abbildungen von Angehörigen der First Nations für ein zeitgenössisches Publikum rekontextualisieren.”

Journalist und Autor Seesequasis gibt mit seinem Social-Media-Projekt der "vergessenen Generation" der First Nations, Metis und Inuit ein Gesicht. Er erzählt anhand von verschwunden geglaubter Fotos von Zusammenhalt, Unterstützung und Widerstand. Er sammelte mehr als drei Jahre lang eindrückliche Archivbilder und die Geschichten der Menschen hinter den Porträts.

Das Gegenstück dazu: Der Irokese Jeff Thomas verbindet historische Foto-Aufnahmen mit der heutigen indigenen Realität und diese will er neu erzählen. „Mit meinen Studien des Indianer-Seins strebe ich eine Bilddatenbank meiner urban-irokesischen Erfahrungen an, außerdem will ich historische Abbildungen von Angehörigen der First Nations für ein zeitgenössisches Publikum rekontextualisieren, also in einen ganz neuen Zusammenhang stellen,“ erklärt Thomas.

Seesequasis ist ein "nîpisîhkopâwiyiniw", ein Angehöriger des Stammes der "Willow Cree", stellt der Verlag den Autoren vor. Seesequasis setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte der indigenen Bevölkerung Kanadas ein. Seit 2015 ist er der Kurator des "Indigenous Archival Photo Project", das sowohl online, als auch offline Bilder und Geschichten sammelt und die kulturelle Identität der indigenen Bevölkerung Kanadas lebendig macht. Er veröffentlichte Artikel in zahlreichen Zeitschriften und Magazinen, unter anderem in The Globe and Mail, The Walrus, Brick und Granta.

Hier geht es zu den indigenen Foto-Projekten:

Turning the Lens: Indigenous Archival Photo Project | Shekon Neechie
Paul Seesequasis - Indigenous Photography, Indigenous Archival
About: Aboriginal Multi-Media Society (dbpedia.org)
Windspeaker.com
Ammsa.com
Project Naming - Library and Archives Canada (bac-lac.gc.ca)
Nadya Kwandibens Captures "Concrete Indians" - RPM.fm
Two Worlds - Lori Blondeau (firstvisionart.com)
Shelley Niro | National Gallery of Canada
Tlakatekatl – Medium
Tlakatekatl - YouTube

 

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The Others

Geschichten und Erzählungen aus der anderen Welt

In der kanadischen Provinz British Columbia wird auf dem Gelände einer ehemaligen katholischen Internat-Schule ein Massengrab entdeckt. Indigene Kinder wurden dort vergraben. Im Amazonas-Regenwald in Brasilien töten Covid und Goldsucher indigene Menschen. In Rojava in Nord-Syrien wehren sich Kurden gemeinsam mit Arabern und Aramäern gegen türkische und syrische Islamisten. Die Sami in Skandinavien, politisch unkorrekt Lappen, halten stur an ihrer Rentierhaltung fest. Es gibt eine andere Welt hinter den globalen Glitzer-Fassaden, die sich gegen das Plattmachen sträubt, Menschen die darauf beharren, eine eigenständige Existenz zu haben.

Ihre Geschichten tauchen nicht oder nur selten in den großen Medien auf.  Über diese Menschen spricht niemand oder kaum jemand. In der Reihe „The Others“ kommen jene zu Wort, die nicht gehört werden, die keine Stimme haben.

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