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Kommentar zur Ukrainekrise

„No War!“

„Gerade die Deutschen mit ihrer Geschichte müssen der Ukraine helfen“, appelliert die Schriftstellerin Herta Müller im Nachrichtenmagazin „Spiegel“ für Solidarität mit der Ukraine.

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Bild: stayerimpact/pixabay.com

In einem offenen Brief fordern 350 Kulturschaffende den sofortigen Abzug der russischen Truppen an der ukrainischen Grenze. Die entsprechende Erklärung liegt dem Spiegel vor. Zu den Unterzeichnern gehören Wolf Biermann, Ai Weiwei und Oskar Roehler, sie fordern Dialog und „Kein Krieg!“.

Die Kulturschaffenden appellieren an die deutsche und EU-Politik, der Aggression des russischen Präsidenten Putin energisch entgegenzutreten. Sie plädieren zwar für den Weg des Dialogs, Voraussetzung dafür ist der sofortige und bedingungslose Abzug der russischen Truppen an den Grenzen der Ukraine. Ziel des Dialogs und des Truppenabzugs: „No War!“.

Die Unterzeichnenden des offenen Briefs werfen Putin vor, „jegliche demokratische Bewegung im eigenen Land“ zu bekämpfen. Sie finden es unerträglich, dass schweigend hingenommen wird, „dass über achtzig Jahre nach dem Münchner Abkommen in Europa wieder unverhohlen mit einem Einmarsch in fremdes, souveränes Territorium gedroht wird“.

Sie plädieren zwar für den Weg des Dialogs, Voraussetzung dafür ist der sofortige und bedingungslose Abzug der russischen Truppen an den Grenzen der Ukraine.

Initiatoren des offenen Briefs sind der Lyriker und Liedermacher Wolf Biermann,  seine Frau Pamela Biermann, der Schauspieler Burghart Klaußner sowie Ulrich Schreiber, der Leiter des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Zu den 350 Unterzeichenden zählen u.a Herta Müller, Wole Soyinka, Ian McEwan, Mikhail Shishkin, Tomas Venclova, Liao Yiwu, Ai Weiwei, Geert Mak, Oskar Roehler und Jürgen Flimm.

Im Interview mit dem „Spiegel“ wirft  Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller Putin vor, seit Jahren dafür zu sorgen, „dass alle Osteuropäer Angst haben müssen.“ Besonders hart trifft die Politik von Putin-Russland die Ukrainer, stellt Müller fest. „Gerade die Deutschen mit ihrer Geschichte müssen der Ukraine helfen“, erinnert Müller an die Verbrechen Nazi-Deutschlands in der Ukraine.

In den „Volksrepubliken“ im Donbass errichteten die von Russland unterstützen Milizen ein antiukrainisches Terror-Regime. Stanislaw Assejew (geboren 1989 in Donezk)  schrieb von 2015 bis 2017 unter Pseudonym aus dem besetzten Osten der Ukraine. Im Juni 2017 verschwand er spurlos. Es wurde später offiziell bekanntgegeben, dass er von Milizionären der „Volksrepublik Donezk“ verschleppt worden war. Nach internationalen Protesten kam Assejew im Dezember 2019 frei. Er war 962 Tage von der Außenwelt isoliert. Der in Kyjiw lebende Assejew veröffentlichte seine Erfahrungen unter dem Titel „In Isolation – Texte aus dem Donbass“. Assejew wirft den Machthabern in Donezk vor, ihre Gegner in einem weit verzweigten Gefängnissystem zu schikanieren.

Der ukrainische Journalist Stanislaw Assejew war 31 Monate bei den Separatisten in der Ostukraine in Haft. Er hat Demütigungen und Folter erlebt. Und ist damit nicht allein.

In seinem Podcast-Angebot berichtet Bayern 2 über Assejew und sein Schicksal in den Gefängnissen der „Volksrepublik“ Donzek: „Der ukrainische Journalist Stanislaw Assejew war 31 Monate bei den Separatisten in der Ostukraine in Haft. Er hat Demütigungen und Folter erlebt. Und ist damit nicht allein. Was passiert, wenn man ins Visier der de-facto Machthaber in Donezk und Luhansk gerät?“

Den Putin-Handlangern ist es gelungen, die Donbass-Regionen von der Ukraine abzutrennen und sie de facto Russland anzuschließen. Die beiden Regionen gelten als „märchenhaftes Neurussland“. Assejew stellt die Frage, wie es zu dieser Eskalation kommen konnte und beschreibt das Leben der Menschen im Krieg, ihr Verhalten, ihre Einstellungen. Diese Texte haben ihn ins Gefängnis gebracht. Sie sind jetzt mit Unterstützung des PEN Zentrums der Ukraine zum ersten Mal auf Deutsch erschienen.

Assejew differenziert, er unterscheidet zwischen den AktivistInnen des Maidan und den hart arbeitenden Bergleuten. Deren „sowjetnostalgische“ Haltung vergleicht er mit den 1861 aus der Leibeigenschaft entlassenen und orientierungslos zu ihren früheren Herren zurückkehrenden russischen Bauern. Assejews Ärger auf Präsident Poroschenko ist nach seinen Schilderungen greifbar nachvollziehbar wie auch die Kritik an den Europäern, die sich laut Assejew nur von „marktwirtschaftlich-monetären“ Interessen leiten ließen.

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