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„Kultur ist kein Luxus"

Wie viel ist Südtirol seine Kultur wert? Der Blick auf die nackten Zahlen gibt Aufschluss über die Kulturförderung des Landes.

„Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich, Subventionen nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als Subventionen zu bezeichnen. Der Ausdruck lenkt uns in eine falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns entweder leisten oder nach Belieben auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere innere Überlebensfähigkeit sichert.“ Dieses Zitat des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker kritisiert die Tatsache, dass Kulturschaffende häufig nur unter finanziellen Gesichtspunkten beurteilt und von der Gesellschaft in erster Linie als Nutznießer öffentlicher Gelder gesehen werden.

BARFUSS wagt trotzdem einen Blick auf die nüchternen Zahlen, und geht der Frage nach, in welchem Ausmaß das Land Südtirol Kultur im vergangen Jahr gefördert hat. Rund 759,6 Millionen Euro machte das Land 2012 für den Bereich Bildung und Kultur locker. Das sind 16,3 Prozent des gesamten Landeshaushalts. Für Bildung wurden 644,7 Millionen Euro ausgegeben, davon fiel der gößte Teil auf die Entlohnung der Direktoren, Lehrer und Schulinspektoren, nämlich 480 Millionen Euro. Die Berufsbildung schlug mit 24,2 Millionen und der Bereich Sport und Freizeit mit 16,6 Millionen Euro zu Buche. Für den Bereich Denkmalpflege und Kultur blieben somit noch 74,1 Millionen Euro. 

Keine genaue Statistik

Doch wie viel Geld erhielten die einzelnen Museen, Kulturvereine und Veranstaltungen? Thomas Pardatscher, stellvertretender Amtsdirektor in der Landesabteilung für deutsche Kultur erklärte, dass es im vergangenen Jahr keine detaillierte Aufschlüsselung der Ausgaben gab. „Wir erstellten wegen der bekannten Einsparungen beziehungsweise Mittelkürzungen keinen detaillierten Tätigkeitsbericht“, so Pardatscher. Auch das Amt für Finanzaufsicht fühlt sich nicht dafür verantwortlich die Geldflüsse nachzuzeichnen. „Wir verfügen über keine genaue Aufschlüsselung der Ausgaben", hieß es auf Anfrage. Der ASTAT-Tätigkeitsbericht 2012 fasst immerhin einige der wichtigsten Ausgaben zusammen. Für die Kulturförderung der deutschen Sprachgruppe wurden 8,02 Millionen Euro an Beiträgen gewährt. Die Ausgaben des italienischen und ladinischen Kulturamtes sind hierbei nicht berücksichtigt.

Den Druck von Publikationen mit Südtirol-Bezug, Veröffentlichungen audiovisueller Art und die Bildungstätigkeit kultureller Verbände, ließ sich das Land 1,3 Millionen Euro kosten. Für den Ankauf von Musikinstrumenten und historischen Trachten, die Einrichtung und Instandhaltung von Probelokalen, Kultur- und Mehrzwecksälen stellte es 1,2 Millionen Euro bereit.  Außerdem wurden Kunstwerke heimischer Künstler um insgesamt 252.000 Euro erworben. Die Bandbreite reichte von der Großskulptur von Eduard Habicher bis zu den Zeichnungen zur „Göttlichen Komödie“ von Markus Vallazza. Schreib-, Kompositions- Film- und Ausstellungsprojekte einzelner Künstler wurden mit 266.000 Euro gefördert.

Die verwaltungsmäßige Aufsicht in der Rundfunkanstalt Südtirol und im Institut für Musikerziehung in deutscher und ladinischer Sprache hatte Gesamtausgaben von 3,26 Millionen Euro zur Folge. Die Stiftung Haydn-Orchester, das Meraner Stadttheater, der Kurhausverein, die Vereinigten Bühnen Bozen, die Stiftung Stadttheater und das Konzerthaus Bozen erhielten als kulturelle Institutionen mit Landesbeteiligung eine finanzielle Unterstützung von insgesamt 3,88 Millionen Euro.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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