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Bruchlandung

Der Besserwisser dämpft die Erwartungen an einen funktionierenden Bozner Flughafen.

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Bild: Gerd Zuegg
Guten Abend Herr S., haben Sie schon gehört, dass der Bozner Flughafen wieder in Betrieb ist?
Das beeindruckt mich nicht. Zweisprachige Ortstafeln, überzogene Politikergehälter und der Bozner Flughafen werden die ewigen, unlösbaren Probleme des Südtirolers bleiben. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass diese drei Themen so lästig und unvermeidlich sind wie das alljährliche Sommerloch?
 
Aber die Schweizer Fluglinie Darwin bietet jetzt Bozen-Rom-Flüge für nur 99 Euro an. Das ist doch eine gute Nachricht.
Ja, was hilft das schon dem Durschnittssüdtiroler? Da fliegen doch nur die abgehobenen Parlamentarier nach Rom, die zu bequem sind, den Zug zu nehmen.
 
Und was ist mit Unternehmern und Touristen?  Die steigen doch auch ins Flugzeug.
Der Bozner Flughafen ist für Touristen doch viel zu klein. Da müssten wir’s schon wie die Innsbrucker machen: eine längere Landebahn bauen und mehrere Fluglinien anbieten. Das hätte dann mehr Wettbewerb und tiefere Flugpreise zur Folge. Aber das wollen ja die Ökofaschisten wieder nicht.
 
Nun reden sie doch nicht so abschätzig über unsere Umweltschützer.
Schauen Sie, beim Flughafen sieht man die ganze Scheinheiligkeit der Südtiroler:  Es schert sich kein Mensch darum, dass in den Gemeinden der letzte grüne Fleck verbaut wird. Aber wenn die Landebahn des Flughafens um ein paar Meter verlängert werden soll, dann stellt sich der Südtiroler quer.
 
Ihr Pessimismus ist unverbesserlich. Darwin Air ist jedenfalls davon überzeugt, rentabel zu arbeiten.
Der Darwin hat schon damals mit „survival of the fittest“ eine Theorie zur Überlebensfähigkeit aufgestellt. Und überlebensfähig ist das ganze Vorhaben nur mit Finanzspritzen aus dem Landeshaushalt. Sonst wird Darwin Air sofort eine Bruchlandung erleben. Wissen Sie wie viel das Land zwischen 2008 und 2013 in den Flughafen rein gespuckt hat? 30 Millionen Euro! Dieses Geld hätte es auch gut und gerne für goldene Ortstafeln ausgeben können.

Oliver Kainz

ist im Vinschgau daheim und in der Welt zu Hause. Er findet Politik faszinierend und ist jederzeit für einen „Watter" im Gasthaus bereit.
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Der Besserwisser

Herr S. ist Rentner und ein notorischer Besserwisser. Abends trifft er sich regelmäßig auf eine Zigarette mit seinem jungen Nachbarn. 30 Jahre lang hat Herr S. gebuggelt und brav seinen Mund gehalten, jetzt aber sprudelt es nur so aus ihm heraus. Ein alter Grantler eben.

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